Zum 65. Geburstag von Stan Sakai

Wie aufmerksame Leser und Leserinnen bemerken werden, stecken wir noch ein bisschen in einer Zeitblase fest – doch davon wollen wir es uns nicht nehmen lassen, auf interessante und uns auf die eine oder andere Art wichtige Persönlichkeiten des Genres und seiner Randgebiete mit einem kleinen Artikel hinzuweisen. Deshalb gratuliert Bibliotheka Phantastika auch etwas verspätet Stan Sakai, der kürzlich seinen 65. Geburtstag feiern konnte.
Usagi Yojimbo Saga 6Der am 25.05.1953 in Kyoto, Japan, geborene Stan Masahiko Sakai ist ein Ausnahme-Comic-Künstler, der sich seit fast 35 Jahren und beinahe nonstop seiner “creator-owned” (also völlig der Kontrolle des Urhebers unterliegenden) Comic-Reihe widmet: Usagi Yojimbo, der Saga um die Abenteuer des Ronin Miyamoto Usagi, der seinem historischen Vorbild Miyamoto Musashi zwar in vielerlei Hinsicht gleicht, aber als Hase in einem fast ausschließlich von anthropomorphisierten Tieren bewohnten Japan auch ungleich längere Ohren hat (die er meist im Samurai-Haarknoten trägt).

Usagi war aber nicht Sakais erster Hase auf Abenteuern – vorher gab es noch The Adventures of Nilson Groundthumper and Hermy mit zwei Langohren, die im europäischen Mittelalter unterwegs waren und erstmals 1984 in Albedo Anthropomorphics #1 erschienen.
Aber schon 1984 debütierte auch Usagi Yojimbo in einer Nilson Groundthumper and Hermy-Story, machte sich aber bald selbständig und wurde zu Sakais Lebenswerk. Der erste Sammelband The Ronin erschien 1987, und es sollten noch viele weitere folgen, denn bis heute ist Usagi auf sage und schreibe 165 Hefte und etliche Zusatzgeschichten angewachsen, darunter Space Usagi (1998), das einen fernen Nachfahren von Usagi in einem intergalaktischen Reich in den Mittelpunkt stellt.
Dass es dabei nicht langweilig wird, liegt zum Teil sicher an der detaillierten Recherche von Stan Sakai, der die Kulturgeschichte, Mythen und Popkultur Japans in seine Comics einfließen lässt, verschiedenste Blickwinkel einnimmt und mal episch große und mal alltäglich kleine Geschichten erzählt, die Usagi auf seiner “warrior pilgrimage” erlebt.
Usagi Yojimbo 3Während viele Abenteuer eher Kurzgeschichten-Charakter haben und in sich geschlossen sind, ergibt sich im Laufe der Zeit doch ein Mosaik aus wiederkehrenden Figuren und großen Entwicklungen: Die augenzwinkernde Freundschaft zwischen Usagi und dem Kopfgeldjäger Gen, die meist damit endet, dass einer dem anderen die Belohnung wegschnappt, die Verbindung zur Samurai-Kriegerin Tomoe, die trotz aller Zuneigung zu Usagi einen anderen Weg einschlägt als er, und die Erzfeindschaft mit dem Dämon Jei, der den Hasen immer wieder heimsucht. Ob Freunde oder Gegner, es sind meist vielschichtige und alles andere als schwarz-weiß gezeichnete Figuren, die Geschichten wie die epische Suche nach dem legendären Schwert Grascutter oder die kriminalistischen Ermittlungen mit Inspector Ishida bevölkern – und man kann sich darauf verlassen, dass sich irgendwo im Bild auch immer ein paar Tokage (Echsen) tummeln, die die Fauna von Usagis Japan stellen.

Da Usagi bei verschiedenen Verlagen erschienen ist, gibt es auch eine verwirrende Vielzahl von Sammelbänden und Sonderausgaben. Die hier rezensierte Sammelausgabe der ersten sechs Bände soll bald neu aufgelegt werden, ansonsten sollte die derzeit beste Ausgabe die Usagi Yojimbo Saga sein, in der je drei Bände im größeren Format zusammengefasst sind. Und nicht zuletzt gibt es nach einer jahrelang etwas zerfahrenen deutschen Ausgabe auch endlich eine Übersetzung der Sammelbände in der Reihenfolge des Originals, beginnend mit Der Ronin (2017).

Space UsagiStan Sakai, der lange auf Hawaii lebte und inzwischen in Kalifornien residiert, ist aber nicht nur seinem Hasen treu ergeben, sondern auch seit Jahren Letterer bei Sergio Aragonez’ Groo the Wanderer (auf Deutsch als Groo erschienen). Außerdem zeichnete er für Stupid, Stupid Rat Tails (2000), dem Prequel zu Jeff Smiths Bone, und die Comic-Adaption der legendären 47 Ronin (2013), die im feudalen Japan diesmal auch tatsächlich Menschen zeigt und nichts mit Usagis tierischem Japan zu tun hat.

Wir hoffen, dass es noch viele weitere Usagi-Geschichten geben wird, und verlinken zur Feier des Tages ein Lieblingsbild von Stan Sakais Instagram-Account.

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Zum 60. Geburtstag von Irene Fleiss

Bibliotheka Phantastika erinnert an Irene Fleiss, die am vergangenen Mittwoch 60 Jahre alt geworden wäre. Mit diesem Namen können vermutlich nur diejenigen etwas anfangen, die entweder schon sehr lange Fantasy lesen (auch solche, die nicht in den entsprechenden Reihen der großen Publikumsverlage erschienen ist) oder sich für Genderthemen und Matriachats-Forschung interessieren, denn Letzteres war das Hauptbetätigungsfeld der am 16. Mai 1958 wahrscheinlich in Österreich* geborenen Irene Fleiss, und man kann davon ausgehen, dass das zweibändige Sachbuch Als alle Menschen Schwestern waren (2006/2007), in dem sie ihr ganzes Wissen über dieses Gebiet zusammengefasst hat und das in der feministischen Szene sehr positiv aufgenommen wurde, nicht zuletzt für sie selbst ihr wichtigstes und bedeutendstes Werk war.
Doch der Grund für diesen Beitrag ist natürlich nicht besagtes Sachbuch und es sind auch nicht die Romane und Kurzgeschichtensammlungen, die sie Anfang der 00er Jahre als books on demand veröffentlicht hat, sondern ein “richtiger” Fantasyroman, den sie bereits viel früher geschrieben hat und der 1984 unter dem Titel Die Leibwächterin und der Magier abseits der bekannten Genrereihen im Medea Frauenverlag erschienen ist. Es scheint, als hätten damals einige Frauenverlage die SF und Fantasy für sich entdeckt, und so brachte vor allem der Medea Frauenverlag innerhalb einer relativ kurzen Zeit mehrere Romane und Kurzgeschichtenbände von feministischen Autorinnen (darunter international bekannten wie Joanna Russ, aber auch deutschsprachigen**) auf den Markt, die das Genre teilweise um sehr interessante Facetten bereicherten.***
Irene Fleiss: Die Leibwächterin und der MagierUnd einer dieser Romane war eben Die Leibwächterin und der Magier, der die Geschichte der Leibwächterin Aleme erzählt, die den Magier Calar auf einer Reise vom tiefsten Süden des Kontinents bis hoch in den Norden beschützen soll. Das erweist sich allerdings als schwieriger als gedacht, denn die beiden Reisenden werden unterwegs mehrfach überfallen und angegriffen – anscheinend hat sich der eher naiv wirkende Calar mächtige Feinde gemacht. Immerhin wird Aleme für ihren Auftrag gut bezahlt, und auf der ereignisreichen Reise lernen sich die beiden so unterschiedlichen Protagonisten immer besser kennen, entwickeln Vertrauen zueinander … und schließlich auch noch andere Gefühle …
Was an der Geschichte, die Aleme als Ich-Erzählerin erzählt, als Erstes auffällt, ist der – auch und gerade in Anbetracht des Umfelds, in dem der Roman erschienen ist° – ungewöhnlich versöhnliche Grundton, der sie durchzieht. Sowohl Aleme als auch Calar sind sympathische Figuren, die sich ebenso glaubwürdig entwickeln wie die Beziehung zwischen den beiden. Und in einer Hinsicht hat Aleme – die man durchaus als Vorläuferin vieler tougher Frauenfiguren betrachten kann, die heutzutage vor allem die YA-Fantasy bevölkern – ihren Nachfolgerinnen etwas voraus, denn sie bleibt die starke Frau, die sie vorher war, und entwickelt sich nicht schlagartig zum hilflosen Mädchen zurück, das beschützt und behütet werden muss, nur weil sie ihre große Liebe gefunden hat.
Wobei es sich bei Die Leibwächterin und der Magier keineswegs um einen Liebesroman handelt; denn auch wenn die obigen Zeilen vielleicht diesen Eindruck erwecken, ist es in erster Linie ein abenteuerlicher Fantasyroman. Das Worldbuilding ist zwar nicht allzu “tief” (was bei etwas über 200 Seiten Umfang nicht verwunderlich ist), wartet aber mit originellen Ideen wie z.B. den Schienenseglern auf, und die gelegentlich eingebauten Bezüge auf unsere Welt nähren die Vermutung, dass wir es hier mit postapokalyptischer Fantasy zu tun haben, deren Figuren interessanter und glaubwürdiger sind als die vieler anderer Werke. Ich weiß nicht, wie der Roman damals in feministischen Kreisen aufgenommen wurde, aber an der eigentlichen Fantasyleserschaft dürfte er ziemlich vorbeigegangen sein. Und letztlich ist er wohl nur eine marginale Fußnote in der Geschichte der Fantasy in Deutschland – aber eine trotz gerechtfertigter Kritik an mangelnden Hintergründen und einer vielleicht etwas zu simplen Auflösung überaus sympathische.
Außer diesem Roman hat Irene Fleiss in den 80er Jahren anscheinend noch einige Erzählungen und Kurzgeschichten geschrieben – eine davon ist in der von Karin Ivancics herausgegebenen Anthologie Der Riß im Himmel (1989) erschienen°° –, aber erst in den 00er-Jahren hat es wieder eigenständige Veröffentlichungen von ihr gegeben, die – wie eingangs erwähnt – alle als book on demand erschienen sind: Grenzenlos. Kurzgeschichten aus dem Patriarchat (2002), Der erpresste Mann (2002; nicht phantastisch), Tod eines guten Deutschen (2003) und Erinnerte Geschichten. Phantastische Erzählungen (2005). Kurz darauf folgte das o.e. Sachbuch – und am 04. April 2008 ist sie im Alter von 49 Jahren gestorben, gerade einmal zwei Wochen, nachdem bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war.

* – abgesehen von Fleiss’ Geburts- und Todestag sind kaum biografische Daten zu finden
** – wobei pikanterweise eine der deutschsprachigen “Autorinnen” gar keine war – aber das wusste zum damaligen Zeitpunkt vermutlich noch niemand
*** – dieser nicht allzu langlebige Trend wäre theoretisch durchaus mal einen eigenen Beitrag wert, bei dem allerdings viel Spekulation dabei wäre, denn außer den Veröffentlichungsdaten der Bücher gibt es wenig, an dem man sich festhalten kann; we’ll see …
° – in den meisten anderen Werken, die damals bei Medea und ähnlichen Verlagen erschienen sind, kommen Männer entweder überhaupt nicht vor, oder sie sind eher Monstren bzw. “Manntiere” als Menschen
°° – was Irene Fleiss’ nicht eigenständige Veröffentlichungen angeht, sind bibliografische Daten kaum bzw. nicht vorhanden

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Zum 120. Geburtstag von Vera Chapman

Bibliotheka Phantastika erinnert an Vera Chapman, deren Geburtstag sich vor zehn Tagen zum 120. Mal gejährt hat.* Die am 08. Mai 1898 als Vera Ivy May Fogerty in Christchurch in der Nähe von Bournemouth an der englischen Südküste geborene Chapman verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Südafrika und war nach ihrer Rückkehr nach England eine der ersten Frauen, die sich am Lady-Margaret-Hall-College – dem erst wenige Jahre zuvor gegründeten ersten reinen Frauen-College der University of Oxford – immatrikulierte. Nach dem Abschluss ihres Studiums heiratete sie 1924 den Vikar Charles Sydney Chapman, dem sie den Nachnamen verdankt, unter dem sie mehr als 50 Jahre später als Autorin bekannt werden sollte. Diese Ehe tat allerdings ihrem lebenslangen Interesse für das Heidentum bzw. den Paganismus keinen Abbruch, und sie war viele Jahre lang Mitglied des ADO (Ancient Druid Order), des ältesten druidischen Ordens im Vereinigten Königreich.
Viel interessanter als all diese Details aus ihrem Leben ist aber wahrscheinlich die Tatsache, dass Vera Chapman 1969 die britische Tolkien Society gegründet hat – nicht zuletzt, weil sie befürchtet hat, dass der Kult, der vor allem um The Lord of the Rings entstanden war, eine mehr wissenschaftlich orientierte Auseinandersetzung mit den Werken Tolkiens verhindern könnte und sie dem durch die Gründung der Tolkien Society entgegenwirken wollte.
Vera Chapman: The Three DamoselsDer Erfolg von The Lord of the Rings und der daraus (nicht nur, aber vor allem) resultierende Fantasy-Boom hatten allerdings noch einen ganz anderen Effekt, denn durch das gestiegene Interesse an Fantasy bzw. die Etablierung der Fantasy als eigenständiges Genre ergab sich für Vera Chapman plötzlich die Möglichkeit, die Literatur zu schreiben, die sie schon immer hatte schreiben wollen, und so veröffentlichte sie im Alter von 77 Jahren (!) ihren ersten Roman The Green Knight (1975), auf den mit The King’s Damosel (1975) und King Arthur’s Daughter (1976) rasch zwei weitere folgten; alle drei zusammen bilden die Trilogie The Three Damosels (auch als Sammelband, 1978).
Im Mittelpunkt der drei zum Artus-Mythos zu zählenden bzw. in dessen Umfeld angesiedelten Romane stehen Frauen, doch bei ihnen handelt es nicht etwa um die “üblichen Verdächtigen” wie Guinevre oder Morgan Le Fay (auch wenn Letztere vor allem in The Green Knight eine wichtige Rolle spielt), die man aus anderen Versionen der Sage kennt, sondern um solche, die bislang am Rande des Geschehens angesiedelt waren oder von Chapman erfunden wurden: Im ersten Band – einer sehr freien “Nachdichtung” der Ritterromanze Sir Gawain and the Green Knight aus dem späten 14. Jahrhundert – muss sich Vivian, die Nichte Morgan Le Fays, mit den Ränken ihrer Tante herumschlagen, im zweiten wird die junge Lynette erst zu Artus’ Botin und begibt sich dann auf die Suche nach dem Heiligen Gral, und im dritten versucht Artus’ Tochter Ursulet das Reich und die Ideale ihres Vaters zu bewahren.
Die Fokussierung auf weibliche Hauptfiguren und die Art und Weise, wie Vera Chapman diese Figuren agieren lässt (oder auch, welche Hintergrundgeschichte sie ihnen mitgibt), machen The Three Damosels zum ersten aus einem feministischen Blickwinkel geschriebenen Bestandteil des Artus-Mythos – und das immerhin acht bzw. sieben Jahre bevor Marion Zimmer Bradley mit The Mists of Avalon (aka Die Nebel von Avalon) zu Weltruhm gelangte.** Dies und die Tatsache, dass das sehr magische, von allerlei phantastischen Kreaturen bevölkerte Britannien dieser Trilogie einen starken Kontrast zu vielen neueren, zumeist um “Realismus” (was auch immer das in diesem Zusammenhang heißen mag) bemühten Versionen des Mythos bildet, machen die drei vergleichsweise schmalen Bändchen für alle, die sich für den Sagenkreis um König Artus interessieren, immer noch lesenswert.
Vera Chapman: Die Rückkehr des LichtsThe Three Damosels ist auch auf Deutsch erschienen, und das sogar in zwei unterschiedlichen Übersetzungen: zuerst als Die drei Demoiselles (Einzeltitel: Der grüne Ritter, Die Rückkehr des Lichts, König Artus’ Tocher (alle 1984) in Heynes auf märchenhafte bzw. YA-Fantasy ausgerichteter Subreihe Phantasia, und neu übersetzt als Die Braut des grünen Ritters, Des Königs dunkle Botin und König Artus’ Tochter (alle 2001) bei dtv in der Allgemeinen Reihe.
Vera Chapmans sonstige Werke – zu denen u.a. Blaedud the Birdman (1978; eine in die keltische Sagenwelt verlegte Adaption bzw. Variation des Ikarus-Mythos), Miranty and the Alchemist (1983; ein Kinderbuch) und The Notorious Abbess (1993; eine Sammlung von Kurzgeschichten um die zur Zeit der Kreuzzüge agierende, in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Äbtissin Hodierna) zählen – wurden bislang nicht ins Deutsche übertragen. Eine Ausnahme bildet die ursprünglich in der Anthologie Fantastic Imagination II (1978) enthaltene und u.a. in der Asimov/Greenberg/Waugh-Anthologie Cosmic Knights (1984) nachgedruckte Story “Crusader Damosel”, die unter dem Titel “Die Kreuzrittermaid” in Märchenwelt der Fantasy (1987), einem “Zusammenschnitt” aus zwei Asimov/Greenberg/Waugh-Anthologien, enthalten ist.
Vera Chapman war bis ins hohe Alter schriftstellerisch aktiv, so dass ihr letzter, wiederum im Artus-Sagenkreis angesiedelter Roman The Enchantresses erst 1998 und somit zwei Jahre nach ihrem Tod am 14. Mai 1996 erschienen ist.

* – all denen, die sich jetzt Sorgen machen, weil wir schon wieder mit verspäteten Beiträgen anfangen, sei gesagt, dass die Verspätung dieses Mal Absicht ist (nun gut – sie ist etwas größer geworden als geplant 😉 ); da sich die für uns relevanten bzw. interessanten Jubiläen fast alle in der ersten Monatshälfte ballen, haben wir beschlossen, das Ganze ein bisschen zu entzerren – und dass die betreffenden Autorinnen und Autoren auch alle schon seit mehreren oder gar vielen Jahren verstorben sind, hat die Entscheidung noch einmal deutlich leichter gemacht.
** – über Marion Zimmer Bradley ließe sich – auch und vor allem im Licht der Erkenntnisse der letzten Jahre – viel sagen, doch das gehört nicht hierher und soll dem Beitrag vorbehalten bleiben, der (vielleicht) zu MZBs nächstem rundem Geburtstag erscheinen wird.

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Blogpause beendet!

Es war nie geplant und wurde deshalb auch nicht angekündigt, aber mit Blick auf das Datum des letzten Postings lässt es sich nicht leugnen, dass dieser Blog ziemlich lange pausiert hat. Die Gründe dafür sind vielfältig, lassen sich aber auf einen einfachen Nenner bringen: Wir hatten beide letztes Jahr so viel mit anderen Aufgaben und Projekten zu tun, dass der Blog schlicht hinten runtergefallen ist. Und irgendwann war dann die Pause schon zu groß, um einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen und weiterzumachen.

Andererseits bietet so eine Blogpause ja auch immer die Gelegenheit, sich Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen soll – und ob es überhaupt weitergehen soll. Die zweite Frage haben wir für uns ziemlich schnell beantwortet, und was die erste angeht, haben wir durchaus ein paar Ideen, die aber noch ein bisschen reifen müssen (oder deren Umsetzung momentan noch zu zeitaufwendig ist).
Also – es wird hier wieder weitergehen, anfangs allerdings noch so ziemlich auf die gleiche Weise wie zuvor, was bedeutet, dass es zunächst hauptsächlich weitere – von uns intern so genannte – “Jubitexte” zu “runden” Geburts- oder Todestagen geben wird, in denen es sowohl um bekanntere wie auch um bereits halb oder ganz vergessene Fantasy- und Phantastik-Autoren und -Autorinnen bzw. deren Werk geht.
Mittelfristig soll und wird sich das Spektrum dann erweitern, denn wir denken beide, dass es zur Fantasy und ihren Nachbar- und Randbereichen noch Empfehlungen und Überlegungen gibt, die wir gerne auf gewohntem Zartgrün festhalten wollen – und die dem einen oder der anderen in unserer Leserschaft vielleicht Lesestoff, Nachdenkstoff, Diskussionsstoff oder einfach gute, alte Unterhaltung bieten.

Außerdem steht für Blog und Forum auch die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) auf der To-Do-Liste. Dadurch wird sich zwangsläufig einiges ändern und hoffentlich alles trotzdem weiterhin funktionieren, ohne dass wir unerfreuliche Anwaltspost kriegen – bitte seht uns nach, falls demnächst etwas nicht rund läuft oder dann in Kürze die Banner aufploppen, mit denen wir über Datenschutz & Co aufklären (müssen).

Aber auch wenn es holpert und eher gemächlich anläuft: Wir lesen uns!

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Zum 60. Geburtstag von Thomas Ziegler

Bibliotheka Phantastika erinnert an Thomas Ziegler, der vor knapp zwei Wochen 60 Jahre alt geworden wäre. Wobei Thomas Ziegler eigentlich nur das Pseudonym des am 18. Dezember 1956 in einem kleinen Dorf unweit der Stadt Uelzen im nordöstlichen Niedersachsen geborenen SF-Autors und -Übersetzers Rainer Friedhelm Zubeil war, unter dem seine wichtigsten Werke (und auch der weitaus größte Teil seiner Übersetzungen) erschienen sind. Ziegler debütierte 1976 mit der SF-Story “Unter Tage” in der Anthologie Zukunftsgeschichten? und war von da an mehr oder weniger regelmäßig in den Anthologien vertreten, die Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre noch vergleichsweise häufig in den SF-Reihen der großen Taschenbuchverlage zu finden waren. Mit seinen zumeist gesellschaftskritisch und/oder satirisch angehauchten sowie stilistisch und atmosphärisch beeindruckenden Stories erschrieb sich Ziegler binnen kürzester Zeit den Ruf, das größte SF-Talent seiner Generation zu sein. Interessanterweise war sein erster Roman jedoch – schon am Titel erkennbar – in einem anderen Genre angesiedelt: Eisvampire (1977) ist ein in Alaska spielender Horrorroman (und möglicherweise deswegen unter dem von Ronald M. Hahn “ausgeliehenen” Pseudonym Henry Quinn erschienen), in dem nicht nur die titelgebenden Eisvampire (und Zombies) auftauchen, sondern erstaunlicherweise auch die Umweltzerstörung thematisiert wird, die die Jagd nach immer neuen Bodenschätzen mit sich bringt.
So betrachtet ist es fast schon naheliegend, dass Thomas Ziegler – dieses Mal als Robert Quint – zwei Jahre später zum Hauptautor der “grünen” SF-Serie Die Terranauten wurde, für die er insgesamt 31 Heftromane (1979-81) und drei Taschenbücher (1982-84) verfasste, die wiederum die Macher der Konkurrenz anscheinend so beeindruckten, dass er anschließend (mehr oder weniger überraschend) wie so manch anderer hoffnungsvoller junger deutscher SF-Autor bei Perry Rhodan landete. Zur unendlichen Saga um den “Erben des Universums” steuerte er 13 Heftromane (1983-85) und drei Taschenbücher (1982-85) bei und war – nach dem Tod von William Voltz – zeitweilig zusammen mit Ernst Vlcek auch für die Exposés verantwortlich.
Am See der Finsternis von Thomas ZieglerWährend Ziegler als Serien-Autor für Die Terranauten und Perry Rhodan tätig war, hat er die ganze Zeit parallel dazu Autor/innen wie Philip K. Dick, Michael Moorcock, Joanna Russ oder Cordwainer Smith übersetzt und dann und wann serienunabhängige, anspruchsvollere Romane und Erzählungen wie Zeit der Stasis (1979, mit Uwe Anton), Alles ist gut (1983), “Die Stimmen der Nacht” (in Michael Görden (Hrsg.): Phantastische Literatur 83 (1983; gleichnamige Romanversion 1984, rev. als Stimmen der Nacht (1993)) und Erdstadt (1985, wiederum mit Uwe Anton) geschrieben. Und er hat einen Abstecher in die Fantasy gemacht – was der eigentliche Grund ist, warum er heute hier auftaucht.
In Sardor (1984), dem ersten von ursprünglich sechs geplanten Bänden, gerät der deutsche Jagdflieger Dietrich von Warnstein mit seinem Doppeldecker in einen Gewittersturm – und wird auf unbekannte Weise in eine Welt versetzt, auf der im Kirschlicht einer roten Riesensonne eine Schlacht zwischen Menschen und entsetzlichen, alptraumhaften Kreaturen, tobt. Als guter Christenmensch greift von Warnstein auf Seiten der Menschen in das Geschehen ein und hilft, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden. Die Menschen dieser Welt – bei der es sich vermutlich um die Erde viele Millionen Jahre in der Zukunft handelt – halten den deutschen Jagdflieger für ihren von den Toten auferstandenen Gott Sardor, und für sie ist er die letzte Hoffnung in ihrem aussichtslosen Kampf gegen all jene kosmischen Mächte, die sich auf dem Rücken der Menschheit bekriegen … Weitaus interessanter als die Handlung an sich ist die Welt, der Ziegler in der Erzählung “Kirschlicht und Glaspol” (in Jörg Weigand (Hrsg.): Vergiss nicht den Wind (1983)) einen ersten Besuch abgestattet hat und die er in Sardor und dem Folgeband Am See der Finsternis (1985) weiter ausmalt; eine Welt, die ein bisschen – aber nur ein bisschen – wie eine in grelle Farben getauchte Variation der vor- oder endzeitlichen Welten eines Clark Ashton Smith wirkt und auf der sich Monstrositäten wie die Eisenmänner, Gehörnte und Nachtmahre tummeln und die Wiederkehr der Schmerzarchen erwartet wird. Und die Thomas Ziegler mittels einer Sprache zum Leben erweckt, die einerseits Dietrich von Warnstein, diesem bornierten preussischen, seinem Kaiser treu ergebenen Offizier, auf den Leib geschrieben ist, aber mit ihrem Pathos und ihrer überbordenden Bildhaftigkeit der Grenze zur Parodie gefährlich nahekommt bzw. sie auch gelegentlich überschreitet.
Nach zwei Bänden war die Geschichte Sardors dann allerdings schon wieder vorbei; ein dritter Band – Bote des Gehörnten – war zwar noch angekündigt, ist aber nicht mehr erschienen. Ob Ziegler damals selbst die Lust verloren hat, oder ob der Verlag im Nachfolgeprojekt Flaming Bess: Rebellin der Galaxis (einer neun Bände umfassenden Space Opera, 1986/87) mehr Potential gesehen hat, ist heute nicht mehr herauszubekommen. Flaming Bess, die sich auf die Suche nach der Erde, der Urheimat der Menschen, begibt, war dann mehr oder weniger Thomas Zieglers Schwanengesang als SF- Autor (als Übersetzer ist er dem Genre auch weiterhin treu geblieben). Denn ab 1988 hat er fast nur noch Krimis geschrieben, in denen das Lokalkolorit mindestens so wichtig war wie die eigentliche Krimihandlung, und außerdem für das Fernsehen gearbeitet.
Anfang der 90er kehrte er sporadisch zur SF zurück, verfasste die mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnete Erzählung “Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten” (in der von Uwe Anton herausgegebenen Anthologie Willkommen in der Wirklichkeit: Die Alpträume des Philip K. Dick (1990)) und legte mit Stimmen der Nacht (1993) eine erneut überarbeitete, zweite Romanversion der (fast) gleichnamigen Erzählung vor (die auch den Kurd-Laßwitz-Preis gewann).
So richtig ins Genre zurückgekehrt ist er erst 2004, und was mit zwei Heftromanen für Perry Rhodan und einem Taschenbuch für die PR-Miniserie Lemuria (Die letzten Tage Lemurias (2005)) begonnen hat, sollte eigentlich nur der Auftakt einer weitergehenden Mitarbeit an Perry Rhodan sein (an die sich vielleicht dann auch wieder serienunbhängige Stoffe angeschlossen hätten), doch nur wenige Tage nach der Abgabe des Manuskripts für das o.g. Taschenbuch ist Thomas Ziegler überraschend am 11. September 2004 im Alter von 47 Jahren an Herzversagen gestorben.
Daher konnte er auch nicht mehr miterleben, dass Sardor nach knapp dreißig Jahren doch noch “komplett” erschienen ist – zumindest als “Trilogie”. Auf die beiden behutsam überarbeiteten ersten Bände Der Flieger des Kaisers und Am See der Finsternis folgte endlich der so lange nur als Titel existierende Band Der Bote des Gehörnten (alle 2013), den Markolf Hoffmann nach Aufzeichnungen von Ziegler – der die ersten Kapitel bereits geschrieben hatte – beendet hat. Ob man das Ende dieses Bandes als befriedigend empfindet oder nicht, muss jeder Leser / jede Leserin für sich entscheiden (wobei sich natürlich die Frage stellt, inwieweit dieses Ende dem entspricht, was Thomas Ziegler einst geplant hat, als er die Serie auf sechs Bände – sprich: doppelt so umfangreich wie das, was jetzt vorliegt – konzipiert hat).
Sardor von Thomas ZieglerThomas Ziegler war fraglos einer der talentiertesten deutschen SF-Autoren, der mehrfach für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert wurde und ihn insgesamt vier Mal gewonnen hat; eine der ausgezeichneten Erählungen wurde ebenso wie der Roman Stimmen der Nacht bereits genannt – darüber hinaus wurden auch die Erzählungen “Die sensitiven Jahre” und “Die Stimmen der Nacht” 1981 bzw. 1984 prämiert. Seine gesellschaftskritischen Romane von Zeit der Stasis über Alles ist gut bis hin zu Erdstadt sind auch heute noch ebenso lesenswert (und teilweise erschreckend aktuell) wie seine größtenteils in den Bänden Unter Tage (1982), Nur keine Angst vor der Zukunft (1985), Lichtjahreweit (1986) und Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten (1997) gesammelten Erzählungen, und etliche seiner Beiträge zu den Heftserien Die Terranauten und Perry Rhodan gehören mit zum Besten, was in Deutschland an SF im Heftformat erschienen ist.
Sardor ist sicher nicht nur wegen des für Ziegler untypischen Genres sein ungewöhnlichstes Werk, mit dem so mancher Leser und so manche Leserin möglicherweise nichts anfangen kann. Andererseits ist es erstaunlich und nicht wenig faszinierend, dass es in den 80er Jahren in Deutschland möglich war, so etwas wie Sardor zu schreiben und in der Taschenbuchreihe eines Publikumsverlags zu veröffentlichen, während man heutzutage froh sein muss, dass engagierte Kleinverlage wie Golkonda derartige Werke dem Vergessen entreißen.

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Zum 35. Geburtstag von C.S.E. Cooney

Bibliotheka Phantastika gratuliert nachträglich C.S.E. Cooney, deren 35. Geburtstag fast schon wieder zwei Wochen zurückliegt. Die am 12. Dezember 1981 in Phoenix, Arizona, geborene Claire Suzanne Elizabeth Cooney zählt zu den vielen jungen SF- und Fantasy-Autorinnen, die seit der Jahrtausendwende die englischsprachige Phantastikszene betreten haben – und sie ist ein echtes Multitalent. Denn sie schreibt nicht nur längere und kürzere Erzählungen, sondern auch Gedichte (die sie gelegentlich mit den Banjo Apocalypse Crinoline Troubadours auf der Bühne performt), komponiert und singt und ist als Hörbuchsprecherin aktiv.
Ihre erste professionelle Veröffentlichung war die Story “Stone Shoes” in der Sommerausgabe von Subterranean Online (2007), auf die inzwischen knapp zwei Dutzend weitere Geschichten in Kleinverlagsanthologien oder Online-Magazinen wie Strange Horizons und Apex Magazine folgten. Einige Erzählungen sind auch als Einzelveröffentlichungen – sogenannte chapbooks – erschienen: Den Anfang machte The Big Bah-Ha (2010), in der es um Kinder geht, die in einer post-apokalyptischen Welt ums Überleben kämpfen; die zwölfjährige Beatrice, die gerade eben noch die Anführerin der Barka-Gang war, hat diesen Kampf jetzt hinter sich, denn sie wacht tot in der titelgebenden Nachwelt auf, die sich – trotz der Clowns, die hier herumlaufen – als längst nicht so tröstlich erweist, wie man es ihr immer erzählt hatte – ganz im Gegenteil … Mehr in Richtung eines Märchens (nicht im Sinne der Grimmschen Volksmärchen sondern im Sinne der Fairy Tales) geht Jack o’ the Hills (2011), die aus den Episoden “Stone Shoes” (s.o.) und “Oubliette’s Egg” bestehende Geschichte von Jack Yap (dem seine Mutter einst den Mund zugenäht hat, weil er zu viel gequatscht hat), seinem Bruder Pudding, der Steinschuhe tragen muss, dem Ei eines skinchangers und Prinzessin Oubliette. Bei The Witch in the Almond Tree (2014) und “Witch, Beast, Saint: an Erotic Fairy Tale” (2014, nur online in Strange Horizons) handelt es sich um die ersten beiden Teile einer Reihe erotischer Fairy Tales, die unter dem Obertitel The Witch’s Garden läuft. Und in The Breaker Queen (2014) und The Two Paupers (2015), die beide nur als eBook erschienen sind und zusammen mit einem geplanten dritten Teil einen Zyklus mit dem Titel Dark Breakers bilden, geht es um Elliot Howell, einen jungen begabten Maler, der ins Breaker House eingeladen wird, das in drei Welten gleichzeitig existiert, und um Nyx, die in der einen Welt ein Dienstmädchen und in der anderen eine Königin ist …
Dass viele von Claire Cooneys Geschichten an Märchen erinnern (wobei man nie vergessen sollte, dass Fairy Tales auch durchaus düster und grausam sein können), hat einerseits damit zu tun, dass sie sich stilistisch stark an mündlichen Erzähltraditionen orientiert, andererseits damit, dass sie manchmal auch Märchenstoffe direkt aufgreift und neu interpretiert (man könnte auch sagen, dass sie sie auf den Kopf stellt und kräftig durchschüttelt). Die Themen und Inhalte ihrer Geschichten weisen dabei eine erstaunliche Bandbreite auf; das belegt z.B. der erst vor kurzem in der Kategorie Best Collection mit dem World Fantasy Award ausgezeichnete Sammelband Bone Swans (2015), in dem fünf längere Erzählungen – teils als Erstveröffentlichung, teils als Nachdruck – enthalten sind.
Bone Swans von C.S.E. CooneyBei zwei davon handelt es sich um Neuinterpretationen von Märchen: “The Bone Swans of Amandale” wird von Maurice erzählt, einer Ratte, die sich in einen Menschen verwandeln kann; außerdem spielen eine böse Bürgermeisterin, aus den Knochen von Schwänen hergestellte Flöten, eine Schwanenprinzessin und ein Rattenfänger mit einer magischen Flöte eine wichtige Rolle (die – allerdings um neue Elemente ergänzte und “durchgeschüttelte” – Vorlage dieser für den Nebula Award nominierten Geschichte ist natürlich Der Rattenfänger von Hameln). In “How the Milkmaid Struck a Bargain With the Crooked One” (bereits im November 2013 in GigaNotoSaurus erschienen) kriegt die Milchmagd Gordie in einer Welt, in der das Leben für die einfachen Leute eh schon ziemlich schwierig ist, weil sich Menschen und Feen bekriegen, erst so richtig Probleme, als ihr Vater – ein Trinker – behauptet, sie könne Gold aus Stroh spinnen. Auch wenn diese Geschichte enger an den Ursprungsstoff – na, wie heißt der wohl? – angelehnt ist, schafft Claire Cooney es, ihr ein ebenso überraschendes wie überzeugendes Ende zu verpassen. “Life on the Sun” (EV: Black Gate, Februar 2013) ist zwar die Fortsetzung einer ebenfalls in Black Gate veröffentlichten Geschichte (“Godmother Lizard”, November 2012), die man allerdings nicht kennen muss, um sich in der wüstenartigen Welt mit ihren fliegenden Teppichen und Prophezeiungen zurechtzufinden, in der Kantu gerade eine Schlacht überlebt hat – und in der Opfer eine wichtige Rolle spielen. “Martyr’s Gem” (EV: GigaNotoSaurus, Mai 2013) wiederum ist eine Rachegeschichte, die auf einer Insel spielt, die das letzte Überbleibsel eines einst großen Reiches darstellt. Den Abschluss des Sammelbandes bildet “The Big Bah-Ha”, die bereits erwähnte Erzählung mit den nachweltlichen Clowns (und Spinnen mit Appetit auf Seiltänzerinnen – und dem Flabberghast). Den Geschichten vorangestellt ist eine Einleitung von Claire Cooneys Mentor, bei dem es sich um keinen geringeren als Gene Wolfe handelt, der sinngemäß schreibt, er hätte seiner Schülerin eigentlich gar nichts mehr beibringen können …
Dessen ungeachtet, inwieweit das stimmt, erweist sich Claire Cooney in ihren längeren und kürzeren Geschichten immer wieder als versierte, ungemein stilsichere Erzählerin, die früher oder später über den Status als Geheimtipp hinauskommen wird. Und der Gewinn des World Fantasy Award wird ihr dabei vermutlich mehr helfen als der Gewinn des Rhysling Award für das lange Gedicht “The Sea King’s Second Bride”, das auch in der Gedichtsammlung How to Flirt in Faerieland and Other Wild Rhymes (2012) enthalten ist.
Da ein Großteil von Claire Cooneys Geschichten und Gedichten zuerst online erschienen ist, sind die meisten davon – über die in diesem Beitrag verlinkten Beispiele hinaus – immer noch online. Die entsprechenden Links gibt es auf ihrer Homepage – genauer gesagt hier –, auf der auch einige Videos von ihren Auftritten mit den Banjo Apocalypse Crinoline Troubadours und Trailer zu ein paar Geschichten und ihrem ersten, in Arbeit befindlichen Roman Miscellaneous Stones: Assassins zu finden sind. Nicht – oder nur nach einer längeren Suche – dort zu finden sind die beiden EPs Alecto! Alecto! und Headless Bride, die sie als imaginärer Rockstar namens Brimstone Rhine aufgenommen hat – sie ist eben ein echtes Multitalent –, aber die kann man sich hier ansehen und anhören und herunterladen.

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Zum 65. Geburtstag von Régis Loisel

Bibliotheka Phantastika gratuliert nachträglich Régis Loisel, der bereits am Sonntag vor einer Woche 65 Jahre alt geworden ist. Im Gegensatz zu so manchem seiner Kollegen – wie etwa Andreas oder Caza – dürfte der am 04. Dezember 1951 in dem Städtchen Saint-Maixent-l’École geborene Régis Loisel seit Mitte der 80er Jahre auch hierzulande all denen, die sich für Fantasy und Comics interessieren, ein Begriff sein. Denn damals erschien mit Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit die deutsche Albenausgabe eines im Original La Quête de l’Oiseau du Temps betitelten vierbändigen Fantasyzyklus, der seinen Machern – dem Szenaristen Serge Le Tendre* und dem Zeichner Régis Loisel – nicht nur in ihrer Heimat den Durchbruch bescherte, sondern auch hierzulande ein großer Erfolg war.
Dieser Erfolg ist Loisel, der von Kindesbeinen an Comiczeichner werden wollte, jedoch nicht in den Schoß gefallen. Nachdem er 1972 aus der Provinz nach Paris gezogen war, musste er sich lange Jahre mit kleinen Auftragsarbeiten über Wasser halten, während er gleichzeitig an der Universität von Vincennes die dort von Comicgrößen wie Jean-Claude Mézières und Jean Giraud gegebenen Kurse für angehende Comiczeichner besuchte und bei dieser Gelegenheit andere aufstrebende Zeichner kennenlernte. Einer dieser Zeichner war Serge Le Tendre, der zu diesem Zeitpunkt – nach einem entsprechenden Ratschlag “aus berufenem Mund” – allerdings bereits mit dem Zeichnen aufgehört hatte und sich auf seine unbestreitbaren Fähigkeiten als Szenarist konzentrierte. Mit ihm und einigen anderen Kollegen gründete Loisel das Comicmagazin Tousse Bourin, das jedoch nach vier Ausgaben aus Geldmangel wieder eingestellt wurde. Auch der Versuch, mit Le Tendre zusammen eine große Fantasygeschichte mit dem Titel “Pelisse: La Quête de l’Oiseau du Temps” zu erzählen, scheiterte im ersten Anlauf, da das ambitionierte SF-Magazin Imagine, in dem sie abgedruckt werden sollte, aufgrund schlechter Verkaufszahlen nach drei Ausgaben wieder vom Markt verschwand.
Der Tempel des Vergessens von Le Tendre und LoiselWenn man die noch in Schwarzweiß gehaltenen Seiten aus Imagine mit denen vergleicht, die sieben Jahre später in dem Comicmagazin Charlie Mensuel – dieses Mal in Farbe – abgedruckt wurden, muss man im Nachhinein sagen, dass der vermeintliche Rückschlag sich letztlich als Glücksfall erwiesen hat, denn erzählerisch und zeichnerisch ist ein deutlicher Qualitätssprung erkennbar. La Quête de l’Oiseau du Temps kam bei der Leserschaft von Charlie Mensuel sehr gut an, und auch die nachfolgenden Albenausgaben (Einzeltitel: La Conque de Ramor (1983), Le Temple de L’oubli (1984), Le Rige (1985) und L’oeuf des Ténèbres (1987)) verkauften sich von Band zu Band besser und schließlich hervorragend. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn die von Le Tendre ersonnene Geschichte ist viel mehr als nur eine Suche nach dem titelgebenden “Vogel der Zeit”, den die Zauberin Mara braucht, um die Welt Akbar vor der Rückkehr des rachsüchtigen Gottes Ramor zu retten. Ramor wurde einst in ein Schneckenhaus verbannt, doch der Fluch, der ihn dort festhält, muss erneuert werden; ihn auszusprechen, dauert allerdings so lange, dass Mara auf den Vogel der Zeit – bzw. dessen Fähigkeit, die Zeit anzuhalten – angewiesen ist. Deshalb schickt sie ihren Jugendfreund, den alternden Ritter Bragon, zusammen mit ihrer (gemeinsamen?) Tochter Pelissa (im Original Pelisse) los, um den Vogel der Zeit und das Schneckenhaus mit dem darin gefangenen Ramor zu suchen. Die Queste, in die neben dem wackeren alten Kämpen und der üppigen Pelissa (die wie der typische, in Fantasycomics häufig zu findende gestaltgewordene feuchte Männertraum wirkt) auch noch Bulrog (ein zum Söldner gewordener ehemaliger Schüler Bragons) und der vor allem für auflockernde lustige Momente zuständige “Unbekannte” verwickelt werden, führt zu von Loisel beeindruckend in Szene gesetzten faszinierenden Orten, an denen sie ebenso faszinierenden, ihnen allerdings nicht immer freundlich gesinnten und teils sehr gefährlichen Wesen begegnen. Dabei liegt der Reiz der Geschichte nicht nur an der spannend inszenierten, mit mehreren verblüffenden Wendungen aufwartenden eigentlichen Queste, sondern auch am komplexen Beziehungsgeflecht der vier Hauptfiguren, deren Schicksal im Verlauf der Handlung mindestens ebenso wichtig wird wie das Akbars. Dazu kommen Loisels detailreiche, manchmal gar überbordende Zeichnungen, die aus Akbar eine wirklich exotische Fantasywelt mit originellen Bewohnern machen. Doch das, was La Quête wirklich zu einem ganz besonderen Fantasycomic macht, der die Möglichkeiten des Mediums wie kaum ein zweiter** nutzt und so zu einem Referenzwerk wird, an dem sich alle anderen Fantasycomics messen lassen müssen, offenbart sich erst im vierten Album …
Grauwolfs letzter Kampf von Le Tendre und LoiselAuch in Deutschland erschienen die ersten beiden Bände von Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit zunächst als Fortsetzungsgeschichte in Comicmagazinen (Band eins in Pilot 18 – 23 (1984), Band zwei in Schwermetall 60-65 (1985)), ehe die vier Alben Schatten über Akbar, Der Tempel des Vergessens (beide 1985), Grauwolfs letzter Kampf (1986) und Das Ei der Finsternis (1988) herauskamen, die teilweise mit neuen Titelbildern mehrfach neu aufgelegt wurden; 1992 folgte schließlich noch eine limitierte Gesamtausgabe unter dem Zyklustitel.
Der Erfolg von La Quête machte Loisel unabhängig, und bei der Arbeit an dem Zyklus war ihm klargeworden, dass er in Zukunft selbst Geschichten erzählen und sie nicht nur als Zeichner umsetzen wollte. Daher nahm er sein nächstes Projekt – eine freie Adaption von J.M. Barries Peter Pan*** – allein in Angriff, und das Ergebnis ist deutlich anders, als man vielleicht hätte erwarten können (vor allem, da Loisel durch den Disney-Fim von 1953 zu seiner Idee inspiriert wurde – Barries Originaltext kannte er damals noch gar nicht). Doch besagter Originaltext war ihm dann zu dünn, zu anekdotisch erzählt, und daher machte er sich in seiner Adaption daran, Peter und den anderen Figuren eine Hintergrundgeschichte zu geben, so dass sein Peter Pan eigentlich ein Prequel ist, das allerdings – da er den im Original verborgenen Subtext an die Oberfläche holt und sichtbar macht – sehr viel psychologischer und düsterer als Barries Version (oder gar der Disney-Film) ausgefallen ist.
Alles beginnt im Winter 1887 in einer Gasse in einem heruntergekommenen Viertel Londons; hier sitzt ein Junge vor einem Bretterverschlag und erzählt einer Horde Kindern auf der anderen Seite des Verschlags Geschichten, erst von Aschenputtel und dann von seiner ihn ach so sehr liebenden, fürsorglichen Mutter. Der Erzähler ist Peter – und die Geschichten über seine Mutter, die seine aus einem nahegelegenen Waisenhaus stammenden Zuhörer so gerne hören, sind frei erfunden. Denn in Wirklichkeit ist Peters Mutter eine Alkoholikerin, die ihren Sohn nur braucht, damit er ihr die nächste Flasche Fusel besorgt. Der einzige Lichtblick in Peters tristem Leben ist der nette alte Mister Kundal, der in einem Zimmer über einem Gasthaus lebt und Peter nicht nur lesen, schreiben und rechnen beigebracht hat, sondern ihn auch mit Essen und Geschichten versorgt. Die anderen Menschen sind nicht so großzügig – und manche sind sogar gefährlich, wie Peter feststellen muss, als er wieder einmal Brandy besorgen soll. Dass er im Gasthaus eine demütigende Situation erlebt (da ihm seine Mutter natürlich kein Geld mitgegeben hat), ist eine Sache, doch dass er auf dem Heimweg nur um Haaresbreite einer Vergewaltigung entgeht, ist noch einmal etwas ganz anderes. Und da seine Mutter ihn anschließend aus dem Haus jagt, ist es kein Wunder, dass Peter mit der Fee Glöckchen (im Original Clochette) und mit Hilfe ihres Feenstaubs einfach davonfliegt, London und die Welt der Erwachsenen mit all ihrer Gewalt, ihrem Sex, ihrer Armut und ihrem Schmutz hinter sich lässt. Glöckchen wiederum hat nach ihm gesucht – oder, genauer: sie hat nach jemandem gesucht, der die Insel Nimmerland und all die Fabelwesen, die auf ihr leben, retten wird. Denn vor der Insel liegt ein Piratenschiff vor Anker, dessen Mannschaft und deren cholerischer Kapitän auf der Suche nach einem Schatz sind, den es auf der Insel geben soll …
Was in groben Zügen im ersten Album Londres (1990) so beginnt, entwickelt sich in den fünf folgenden Alben Opikanoba (1992), Tempête (1994), Mains rouges (1996), Crochet (2002) und Destins (2004) zu einer komplexen Geschichte, deren Peter Pan Gesamtausgabe von LoiselSchauplatz zumeist Nimmerland ist (auch wenn Peter aus unterschiedlichen Gründen noch mehrmals nach London zurückkehrt) und in der u.a. erzählt wird, wie die Lost Boys auf die Insel gekommen sind, der Piratenkäpt’n zu Käpt’n Hook geworden ist oder warum das Krokodil den Wecker verschluckt hat – vor allem aber, wie und warum aus Peter Peter Pan geworden ist und warum er nicht erwachsen werden will (oder werden kann oder werden darf). Grafisch setzt Loisel das Ganze mit einem Strich in Szene, der im Vergleich zum Vogel der Zeit noch ein bisschen dynamischer geworden ist und manchmal fast schon karikierend wirkt, dabei aber – unterstützt durch eine an die jeweiligen Örtlichkeiten und Situationen angepasste Farbgebung – die Geschichte und ihre Atmosphäre immer überzeugend transportiert. Das Ergebnis ist ein sowohl grafisch als auch erzählerisch beeindruckendes Werk – aber auch eines, das teilweise sehr düster und letztlich tieftraurig ist. Aber was will man andererseits von einer Geschichte erwarten, in der es um ungeliebte Kinder geht?
Loisels Peter Pan hat es auch nach Deutschland geschafft. Die ursprünglich erschienenen sechs Alben London (1991), Die Insel (1992), Sturm (1995), Rote Hand (1997), Der Haken (2002) und Schicksale (2005) sind allerdings längst vergriffen, doch dankenswerterweise gibt es statt dessen eine sehr schöne zweibändige Peter Pan Gesamtausgabe (2014/15), in der außerdem ein redaktioneller Teil über Loisels Werdegang enthalten ist (dem auch dieser Beitrag einige bio- und bibliografische Angaben verdankt).
Vierzehn Jahre lang hat Régis Loisel an Peter Pan gearbeitet. Parallel dazu hat er in dieser Zeit am ersten Album des neuen Zyklus um den Vogel der Zeit (bei dem es sich um ein im Original Avant la Quête betiteltes Prequel handelt, das ursprünglich erst als dritter Zyklus geplant war) mitgewirkt, das unter dem Titel L’ami Javin 1998 erschienen ist, wobei mitgewirkt bedeutet, dass er zusammen mit Le Tendre das Szenario entworfen, ein Storyboard erstellt und coloriert hat, während die Reinzeichnungen von Lidwine stammen; eine ähnliche Arbeitsteilung hat auch bei den drei folgenden Alben von Avant la Quête stattgefunden, allerdings hat Loisel sie nicht mehr coloriert und die Reinzeichnungen stammen von Mohamed Aouamri (Le grimoire des dieux (2007)) und Vincent Mallié (La voie du Rige (2010) und Le chevalier Bragon (2013)). Hierzulande ist Avant la Quête als Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit 5-8 (1998-2014) erschienen.
Bereits 2005 hatte Régis Loisel, der zwischenzeitlich nach Kanada (genauer: nach Montreal) gezogen war, wo er sich mit seinem Kollegen Jean-Louis Tripp ein Atelier teilt°, mit besagtem Jean-Louis Tripp mit der Arbeit an einem Zyklus mit dem Titel Magasin général (neun Alben, 2006-2014) begonnen, der ausnahmsweise keinen phantastischen Inhalt hat, sondern in dem es um ein irgendwo im Hinterland von Quebec angesiedeltes Dorf und dessen Bewohner in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geht (deutsch als Das Nest, neun Alben, 2007-2015). Und 2007 erschien mit L’armes d’abeille das erste Album des Zyklus Le Grand Mort (bislang sechs von wahrscheinlich acht Alben, 2007-2015), für den er gemeinsam mit Jean-Blaise Djian das Szenario schreibt, während die Zeichnungen von Vincent Mallié (s.o.) stammen. Bei Le Grand Mort (deutsch als Der große Tote, bislang sechs Alben, 2008-2016) handelt es sich wieder um einen phantastischen Zyklus, der zwar ein wenig klischeehaft begonnen hat, dessen neuere Alben sich allerdings in eine Richtung entwickeln, die die Hoffnung nährt, dass sich auch die dritte phantastische Comicreihe, an der Régis Loisel beteiligt ist, am Ende als weit überdurchschnittliches oder sogar überragendes Werk erweisen könnte.
Doch unabhängig davon, wie sich Der große Tote letztlich entwickeln wird – Loisel, der beim Internationalen Comicfestival von Angoulême zwei Mal (1991 und 1995) den Alph-Art du public (für das erste bzw. dritte Album von Peter Pan) und 1992 (wiederum für Peter Pan) beim Comic-Salon Erlangen den Max-und-Moritz-Preis gewonnen hat und der 2003 schließlich mit dem Grand Prix de la Ville d’Angoulême – dem wichtigsten französischen Comicpreis – ausgezeichnet wurde, hat seinen Platz im Pantheon der großen phantastischen Comickünstler und Erzähler seit dem Abschluss von Peter Pan längst sicher …

* – interessanterweise konnte auch Serge Le Tendre erst vor kurzem einen runden Geburtstag feiern – er wurde am 01. Dezember 70 Jahre alt.
** – diese Aussage bezieht sich explizit auf Fantasycomics, denn z.B. die Arbeiten eines Marc-Antoine Mathieu reizen die Möglichkeiten des Mediums noch wesentlich weiter aus.
*** – die Entwicklungs- und Publikationsgeschichte von J.M. Barries Peter Pan ist zu komplex, um sie hier als Fußnote abzuhandeln; bei Interesse empfiehlt sich ein Blick in die deutsche oder englische Wikipedia.
° – sich mit einem oder mehreren Kollegen ein Atelier zu teilen, hat bei Loisel Tradition, die er bereits in Paris begonnen hatte und auch während seiner Zeit in der Bretagne (Ende der 80er bis Anfang der 00er Jahre) fortgeführt hat.

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Zum 65. Geburtstag von Jeff Long

Mit einer Woche Verspätung gratuliert Bibliotheka Phantastika Jeff Long, der am 24. November seinen 65. Geburtstag feiern konnte. In seine Romane brachte der im Jahr 1951 in Bay City, Texas, geborene Jeffrey B. Long immer wieder seine Erfahrungen als Bergsteiger und Kletterer ein, die ihn unter anderem auf Himalayagipfel, aber auch an Krisenschauplätze wie Kambodscha und Tibet geführt haben.
Am eindringlichsten haben sich all diese Erfahrungen in The Descent (1999; dt. Im Abgrund (2001)) niedergeschlagen, das man zusammen mit seinem Nachfolger Deeper (2007) und einigen Stories durchaus als das Magnum Opus von Jeff Long sehen kann – ein Setting und ein Was-wäre-wenn-Gedankenspiel, zu dem es ihn immer wieder hinzieht.
The Descent von Jeff LongDer Roman steigt mit einer klaustrophobischen Sequenz ein, in der eine Bergsteigergruppe unter Führung des mit allen alpinen Wassern gewaschenen Ike bei einem Wetterumschwung in eine überraschend weitläufige Höhle flieht, und dort nicht nur auf völlig unbekannte Schriftzeichen stößt, sondern auf viel Schlimmeres. In den nächsten Kapiteln stoßen auch die Linguistin und Nonne Ali in Afrika und Major Branch, der für die NATO in Bosnien ist, auf Hinweise, dass unter der Erde etwas existieren könnte, das die Visionen von Dämonen und Hölle verschiedenster Kulturen recht glaubhaft erscheinen ließe.
Jahre später wird auch schon ein jegliche Vorstellung übersteigendes Höhlensystem erforscht, das die ganze Welt durchzieht. Wirtschaft, Forschung, Militär – alle haben ein riesiges Interesse an diesem neuen subterranen Raum. Als jedoch die Zwischenfälle zunehmen, wird eine Expedition zusammengestellt, an der auch jene Spezialisten teilnehmen, die schon früh mit der Unterwelt Kontakt hatten, unter anderem Ike, Ali und Branch.
Wie oft, wenn eine Geschichte um Enthüllungen und, wie in diesem Fall, auch Horror-Elemente kreist, ist The Descent am besten, solange das Geheimnis noch intakt ist, man das Monster noch nicht gesehen hat, und die Ausmaße der Veränderung, die durch die Enthüllung in Gang gesetzt wird, sich erst aufklären. So gehören die ersten 100 Seiten des Romans auch mit zu den eindringlichsten Sequenzen, die im Dunstkreis der Genres Abenteuer/Horror und Spannung zu finden sind. Aber auch die anschließende Erforschung der Untergrundwelt und ihrer Natur (und Kultur) hat es in sich. Dass der Roman zum Ende hin etwas zu einer Verschwörungsgeschichte ausdröselt und einige Fäden auch völlig ins Leere laufen, ist zwar bedauerlich (und könnte mit der Tatsache zu tun haben, dass die deutsche Ausgabe offenbar gekürzt wurde, was auch einige der sehr holprigen Übergänge erklären würde), aber mit den spannenden Konzepten und dem ansonsten sehr gelungenen Aufbau von The Descent kann man sich trotzdem sehr gut unterhalten lassen und einem phantastischen Weltentwurf folgen, der weder ganz ins Fantasyreich noch in ein futuristisches Setting führt.
Auch mit den auf The Descent folgenden Romanen, etwa Year Zero (2002, dt. Grauzone (2003) oder Zone des Grauens (2005)), bewegt sich Jeff Long im Umfeld von religiösen Mythen, Wissenschaft und Verschwörungen. In seiner 2015 erschienenen Kurzgeschichtensammlung Too Close to God kehrt er zwischen anderen Geschichten mit Bergsteigerhintergrund auch wieder ins Setting von The Descent zurück, bei dem immer noch die Frage nach einem dritten Teil im Raum steht.

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Zum 75. Geburtstag von Caza

Bibliotheka Phantastika gratuliert nachträglich Caza, der bereits heute vor zwei Wochen seinen 75. Geburtstag feiern konnte. Caza ist das Kürzel, unter dem der am 14. November 1941 in Paris geborene Philippe Cazaumayou seine Arbeiten veröffentlicht, die ihn in der Frühphase des Die große Außenwelt von Caza(damals innovativen) Comicmagazins Métal Hurlant zu einem der wichtigsten Vertreter des neuen phantastischen französischen Erwachsenencomics machten. Seine Bedeutung lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass Les Humanoïdes Associés (der Verlag, in dem Métal Hurlant erschien) ihm 1979 einen Caza 30×30 betitelten Bildband (“30×30” verweist auf das ungewöhnliche LP-Format) gewidmet hat – eine Ehre, die außer ihm nur Moebius alias Jean Giraud und Phillippe Druillet zuteil geworden ist.
Bevor sich Caza einen Namen als Comic-Künstler gemacht hat, hat er zehn Jahre als Grafiker in der Werbung gearbeitet. Da ihn diese Tätigkeit auf Dauer nicht befriedigte, wandte er sich ab Ende der 60er Jahre den Comics zu und veröffentlichte 1970 mit Kris Kool ein erstes Album, das inhaltlich von Jean-Claude Forests Barbarella (der Vorlage für den vermutlich hierzulande bekannteren gleichnamigen Film mit Jane Fonda) beeinflusst war, während es grafisch ganz in der Tradition der Pop-Art-Alben Guy Peellaerts stand.
Ab Anfang der 70er Jahre begann er, Innenillustrationen und bald vor allem Titelbilder für die französischen SF-Magazine Galaxie und Fiction und SF- und Fantasyromane zu schaffen und entwickelte binnen kurzer Zeit den typischen Stil, der ein Caza-Cover unverkennbar macht und ihn zu einem der gefragtesten Titelbildzeichner auf dem französischen Buchmarkt werden ließ, der bis vor kurzem in diesem Bereich durchgängig aktiv war. Parallel dazu veröffentlichte er erste kurze Comics in Pilote, die sich grafisch deutlich von seinem ersten Album unterschieden.
Mitte der 70er Jahre zog Caza in die Cevennen, und dieser Rückzug aus der Zivilisation scheint seine Kreativität enorm beflügelt zu haben, denn die Kurzgeschichten, die er ab 1975 für das gerade gestartete Métal Hurlant – anfangs in Schwarzweiß, bald darauf dann auch in Farbe – zeichnete, machten ihn rasch zu einem der Stars des Magazins (s.o.). Während Caza sich in Métal Hurlant mit phantastischen Themen austobte – die immer häufiger auch einen erotischen Touch hatten – entstanden für Pilote satirische Geschichten, die meist ins Phantastische oder Surrealistische lappten (und in denen Caza selbst auftritt); sie wurden in drei Alben als Scènes de la vie de banlieue (1977-79; 2003 auch als “Intégrale” aka Omnibusausgabe) gesammelt veröffentlicht*.
Les Remparts de la Nuit von CazaNach seiner Rückehr in die Zivilisation wandte Caza sich auch in den Geschichten für Pilote endgültig voll und ganz der Phantastik zu: die kurz nach der Magazinveröffentlichung in den Alben Les Habitants du crépuscule (1982) und Les Remparts de la nuit (1984) unter dem Obertitel L’Âge d’ombre (unter diesem auch als Intégrale (1998)) gesammelten Geschichten hätten sowohl grafisch wie inhaltlich auch bestens in Métal Hurlant gepasst und verbreiten eine mal mehr, mal weniger düstere Endzeitstimmung. Eine dieser Geschichten (“Equinoxe”) hat der Regisseur René Laloux zusammen mit Caza als kurzen Zeichentrickfilm adaptiert – das Ergebnis kann man sich hier anschauen, und auch wenn sich Comic und Film in mehrfacher Hinsicht unterscheiden, kann man auch in dem Film ein paar typische Merkmale von Cazas phantastischen Comics erkennen, etwa seine Vorliebe für titanische Bauwerke, unbekleidete Frauen … und verrätselte Inhalte.
Auch die Inhalte der für Métal Hurlant entstandenen Geschichten – die in den Alben Arkhê (1982) und Laïlah (1988) gesammelt wurden – erschließen sich nicht unbedingt auf Anhieb, und das gilt ebenfalls für Cazas magnum opus, die aus neun Alben bestehende Reihe Le Monde d’Arkadi. Schauplatz des 1989 mit Les Yeux d’Or-Fé begonnenen und mit Le Grand Extérieur (1990), Arkadi (1991), La Corne rouge (1992), Les Voyageurs de la mer morte (1993), Noone (1996), Le Château d’Antarc (2004), Pierres de Lune (2007) und Le Jour de l’arche (2008) fortgesetzten (die lange Pause zwischen Band sechs und sieben war u.a. einem Verlagswechsel geschuldet) und um einen Prolog – Nocturnes (2000) – ergänzten Zyklus ist eine Erde in ferner Zukunft, die umgeben von einem zum Asteroidenschwarm zerfallenen Mond ihre Rotation längst eingestellt hat, so dass es auf einer Seite immer hell ist, während die andere in ewiger Dunkelheit liegt. Nur in der Zwielichtzone können die auf eine primitive Kulturstufe zurückgefallenen Menschen überleben. Einer von ihnen ist Arkadi, der Sohn des Kriegers Arkas, der von mehreren Gefährten begleitet zu einer Queste aufbricht, die ihn nach Dité führen soll, der Kuppelstadt mitten im Herzen der Dunkelheit. Dort leben – umgeben von einer Hochtechnologie – ebenfalls Menschen, um die sich Titanen genannte Cyborgs kümmern. Einer dieser Cyborgs – ein Dichter namens Or-Fé – ist für den Fortbestand von Dité sehr wichtig – was allzu deutlich wird, als er verschwindet …
Pierres de Lune von CazaDie mittels abwechselnd im “Draußen” und in Dité spielender Handlungsstränge und grafisch in einem vor allem im Hinblick auf die Figurendarstellung ein bisschen näher an Moebius gerückten Stil erzählte Geschichte erschließt sich erst sehr allmählich (wobei der nachgelieferte Prolog – wie schon im Fall der Rork-Geschichten von Andreas – das Ganze etwas einfacher macht); das gilt allerdings nicht für deutschsprachige Leser und Leserinnen, denn die deutsche Ausgabe des Zyklus Die Welt von Arkadi wurde nach vier Alben – Die Augen von Or-Fé (1995), Die große Außenwelt, Arkadi (beide 1996) und Das rote Horn (1998) – abgebrochen. Was bedauerlich ist, da Caza ein farbiges und detailreiches, phantastisch umgesetztes Setting geschaffen hat, das weit mehr ist als eine Kulisse für eine durchaus originelle Geschichte.
Aber was Veröffentlichungen in deutscher Sprache betrifft, hat Caza ohnehin noch nie zu den (ganz) Glücklichen gezählt – aber auch nicht zu den (ganz) Unglücklichen, denn immerhin ist ein Großteil seiner frühen Arbeiten für Pilote und Métal Hurlant in ihren jeweiligen deutschen Pendants Pilot und Schwermetall erschienen und in fünf Caza betitelten und von eins bis fünf durchnummerierten Alben (mit dem Untertitel “Gesammelte Werke beim Volksverlag”, alle 1984) nachgedruckt worden**; dazu kommt der Band Die Träume des Caza (1979), der Geschichten enthält, die nicht in den Magazinen veröffentlicht wurden.
Was wäre noch über Caza zu sagen? Dass er für die zeichnerische Umsetzung von Gandahar (1988) verantwortlich war, einem 83-minütigen Zeichentrickfilm von (wieder) René Laloux, bei dem es sich um die Adaption des Romans Les Hommes-machines contre Gandahar von Jean-Pierre Andrevon handelt? Oder dass er das Szenario für den sogar noch etwas längeren Zeichentrickfilm Les Enfants de la pluie (2003) geschrieben hat, der eine freie Adaption des Serge-Brussolo-Romans À l’image du dragon darstellt? Oder dass er sich auch als Comic-Szenarist betätigt hat, und zwar für die vierteilige Albenreihe Amiante (1993-97, Zeichnungen Patrick Lemordan)?
Aber da sich Cazas Œuvre ohnehin nicht in ein paar dürren Zeilen erfassen lässt, soll an dieser Stelle einfach der Hinweis genügen, dass er ein leider hierzulande viel zu wenig bekannter Comickünstler ist, dessen phantastische Bilder – im eigentlichen und im übertragenen Sinn – einem lange im Gedächtnis bleiben.

* – lustig ist, dass die Cover der Alben bei Neuauflagen jeweils ausgetauscht wurden, so dass man Cazas Entwicklung und/oder Vermarktung hier sehr schön erkennen kann (einfach durchklicken)
** – ich kann leider nicht sagen, was in welchem Band ist, meine mich aber erinnern zu können, dass nur die letzten beiden Alben durchgängig farbig sind

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Zum 45. Geburtstag von Sofia Samatar

Bibliotheka Phantastika gratuliert nachträglich Sofia Samatar, die bereits vor gut zweieinhalb Wochen ihren 45. Geburtstag feiern konnte. Bevor die am 24. Oktober 1971 im amerikanischen Bundesstaat Indiana geborene Sofia Samatar ab 2011 zunächst mit Gedichten, doch bald darauf auch mit Rezensionen, Essays und Erzählungen auf sich aufmerksam machte, hatte sie eine akademische Ausbildung hinter sich gebracht (in deren Rahmen sie u.a. Arabisch studiert hat) und anschließend mehrere Jahre als Englischlehrerin im Sudan und in Ägypten gearbeitet. Im Sudan – genauer: in Yambio, einer Stadt in der seit 2011 vom Sudan unabhängigen Republik Südsudan – ist auch der erste Entwurf ihres ersten Romans entstanden, der viele Jahre und Bearbeitungsstufen später – und nur noch halb so lang wie anfangs geplant – als A Stranger in Olondria (2013) auf den Markt kam und gleich die wichtigsten Preise des Genres abgeräumt hat.
“As I was a stranger in Olondria, I knew nothing of the splendor of its coasts, nor of Bain, the Harbor City, whose lights and colors spill into the ocean like a cataract of roses. I did not know the vastness of the spice markets of Bain, where the merchants are delirious with scents. I had never seen the morning mists adrift above the surface of the green Illoun, of which the poets sing; I had never seen a woman with gems in her hair, nor observed the copper glinting of the domes, nor stood upon the melancholy beaches of the south while the wind brought in the sadness from the sea …” Mit diesen Sätzen beginnt Jevick, der Ich-Erzähler von A Stranger in Olondria, seine Geschichte, und sie stimmen uns stilistisch und inhaltlich auf das ein, was folgen wird. Jevick lebt als Sohn eines wohlhabenden Pfefferhändlers in dem Dorf Tyom auf einer der Tea Islands, einer Inselgruppe im Süden des mächtigen Reichs Olondria. Eines Tages bringt sein Vater von einer seiner Reisen einen Hauslehrer aus Olondria mit, der Jevick nicht nur die olondrische Sprache sondern auch das Lesen beibringt – etwas, das auf den Tea Islands unbekannt ist – und ihn mit Lesestoff in Form der großen olondrischen Epen versorgt. Jevick begeistert sich für die “Magie” des Lesens und den Stoff, den er zu lesen bekommt, und als sein Vater überraschend stirbt, kann er es kaum erwarten, an dessen Stelle nach Bain zu reisen und in der Hauptstadt Olondrias all das, was er bisher nur aus Büchern kennt, mit eigenen Augen zu sehen. Seine Begeisterung ist so groß, dass er nicht einmal merkt, wie sehr er sich bereits von seinen mitreisenden Landsleuten entfremdet hat, die er aufgrund ihrer Unkenntnis der olondrischen Sprache verachtet. In Bain angekommen, ist Jevick schier berauscht von all den Eindrücken, die auf ihn einprasseln, und die ihren Höhepunkt im “Feast of Birds” – einem Fest zu Ehren von Avalei, der Göttin der Liebe und des Todes – finden. Doch die Ernüchterung folgt spätestens, als er kurz nach dem besagten Fest vom Geist Jissavets (einer jungen Frau aus seiner Heimat, die er auf der Überfahrt kennengelernt hatte) heimgesucht wird und dadurch ins Visier der Repräsentanten der in Olondria vorherrschenden Religion gerät, denn für die Priester des “Stone” ist jeder, der Geister – oder “Engel” – sehen kann, eine Gefahr, weil solche Menschen von den entmachteten und verfolgten Priestern des konkurrierenden Avalei-Kults als Heilige betrachtet werden. Jevick muss schmerzhaft erkennen, wie wenig er letztlich von Olondria, von den politischen und religiösen Gegebenheiten des Reiches weiß, und ihm wird bewusst, dass er noch immer ein Fremder in Olondria ist – und es auch im weiteren Verlauf seiner Abenteuer, die ihn weit von Bain wegführen, bleiben wird …
A Stranger in Olondria von Sofia Samatar Mit A Stranger in Olondria ist Sofia Samatar ein wundervoller, kluger Roman gelungen, der in sich Elemente des Entwicklungsromans (oder gar des Bildungsromans), des Reiseromans und der Geistergeschichte vereint – und präsentiert wird das Ganze in einer nur als berückend schön zu bezeichnenden poetischen Sprache (von der man sich hier anhand des ersten Kapitels einen Eindruck verschaffen kann). Doch in A Stranger in Olondria geht es nicht nur um die Reise eines anfangs naiven jungen Mannes an überaus plastisch und atmosphärisch geschilderte exotische Orte, sondern auch sehr zentral um die Kraft des geschriebenen Wortes. Oder, etwas genauer: um die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können. Es geht um die Räume, die sich dadurch eröffnen, aber auch um die Barriere, die zwischen denen entsteht, die diese Fähigkeit beherrschen, und denen, die sie nicht beherrschen; und um die Gefahren, die daraus erwachsen können, dass man das geschriebene Wort für die einzige Wahrheit hält. Vor allem die Behandlung dieser Thematik mit all ihren Nebenerscheinungen macht A Stranger in Olondria weit über die wunderbare Sprache, die Exotik und die Atmosphäre hinaus zu einem wirklich lesenswerten Roman, der völlig zu recht mit dem World Fantasy Award und dem British Fantasy Award aka Robert Holdstock Award ausgezeichnet wurde und als weiteres Beispiel dafür gelten kann, was heutzutage in der Fantasy abseits von tolkienesken Questen und Metzeleien im Grim-&-Gritty-Stil möglich ist.
Inzwischen ist Sofia Samatar mit The Winged Histories (2016) noch einmal nach Olondria zurückgekehrt, und die bislang veröffentlichten Rezensionen deuten stark darauf hin, dass es ihr gelungen ist, das Niveau ihres Erstlings nicht nur zu halten, sondern sogar zu übertreffen. Was die Tatsache, dass besagter Erstling bislang noch nicht übersetzt wurde (und vermutlich so bald auch nicht übersetzt werden wird), umso bedauerlicher macht.

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