Zum 70. Geburtstag von Bernard Cornwell

Bibliotheka Phantastika gratuliert Bernard Cornwell, der heute 70 Jahre alt wird. Der am 23. Februar 1944 in London geborene Bernard Cornwell wuchs bei Adoptiveltern auf und trug anfangs deren Nachnamen, nahm aber später den Geburtsnamen seiner Mutter an. Nachdem er eine US-Amerikanerin geheiratet hatte, wanderte er mit ihr 1979 in die USA aus. Da ihm dort die Green Card verweigert wurde, begann er Romane zu schreiben, weil er dafür keine Arbeitserlaubnis brauchte. Auch wenn Cornwell nur notgedrungen Schriftsteller wurde, sollte er sich in diesem Metier als überaus erfolgreich erweisen; mittlerweile kann er auf mehr als 50 Veröffentlichungen zurückblicken, bei denen es sich größtenteils um historische Romane handelt, darunter die teilweise verfilmten, 24 Bände umfassenden Abenteuer des britischen Soldaten Richard Sharpe zur Zeit der Napoleonischen Kriege, die im amerikanischen Bürgerkrieg spielenden vierbändigen Starbuck Chronicles oder die derzeit siebenbändigen Saxon Stories, deren Schauplatz England – genauer, das angelsächsische Königreich Wessex – zur Zeit Afreds des Großen ist.
Mindestens ebensosehr historische wie Fantasyromane sind auch die drei Bände der Warlord ChroniclesThe Winter King (1995), Enemy of God (1996) und Excalibur (1997) –, in denen Cornwell sich dem Artus-Mythos zuwendet. In ihnen entwirft er ein über The Winter King von Bernard Cornwell weite Strecken düsteres Bild einer grausamen Zeit, in der Britannien nach dem Abzug der Römer nicht nur von äußeren Feinden – einerseits in Gestalt angelsächsischer Eroberer, andererseits durch die Raubzüge der Iren entlang der Westküste – bedroht wird, sondern auch unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen viel zu vielen Provinzpotentaten leidet. Hinzu kommt der Konflikt zwischen Christen und den Anhängern der alten druidischen Religion. Erzählt wird die Geschichte im Rückblick von Derfel Cadarn, einem loyalen Anhänger und Vertrauten Arthurs bzw. Artus’, der den Aufstieg und Fall des mythischen Kriegerkönigs hautnah miterlebt hat. Neben der teilweise überraschenden Neuzeichnung bzw. Umwertung einiger bekannter Figuren ist Cornwells Version des Artus-Mythos in zweierlei Hinsicht interessant: zu einen nimmt er in seiner Darstellung eines dreckigen, blutigen und in vielerlei Hinsicht als hoffnungslose Zeit gezeichneten Frühmittelalters viel von dem vorweg, was sich mittlerweile in der als Grim & Gritty bezeichneten Fantasy zuhauf finden lässt bzw. zu einem dieses Subgenre mehr oder weniger konstituierenden Element geworden ist. Zum anderen sind die Warlord Chronicles ein Beweis dafür, dass der Erfolg oder Misserfolg mancher Bücher auch etwas mit dem Zeitpunkt ihres Erscheinens bzw. mit ihrer Vermaktung zu tun haben kann, denn ihre erste deutsche Ausgabe – Der Winterkönig (1996), Der Schattenfürst (1997) und Arthurs letzter Schwur (1998) – war nicht sonderlich erfolgreich. Ganz im Gegensatz zur Neuausgabe, die im Gefolge des Erfolgs der deutschsprachigen Ausgabe von Cornwells Saxon Stories auf den Markt gekommen ist. Möglicherweise haben die Bücher erst in dieser Neuausgabe mehrheitlich die Leserschaft gefunden, für die sie gedacht waren, denn ihr Fantasygehalt ist nur schwach ausgeprägt bzw. liegt eigentlich im Auge des Betrachters.
Noch marginaler sind die Fantasyelemente in Stonehenge, 2000 B.C. (2000; dt. Stonehenge (2000)) und in der aus den Romanen Harlequin (2000; auch: The Archer’s Tale (2002); dt. Der Bogenschütze (2004)), Vagabond (2002; dt. Der Wanderer (2006)) und Heretic (2003; dt. Der Erzfeind (2007)) bestehenden Grail Quest Trilogy, die inzwischen mit 1356 (2012; dt. 1356 (2014)) fortgesetzt wurde.

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