Bibliotheka Phantastika gratuliert Jonathan Carroll, der heute seinen 65. Geburtstag feiert. Die Wahlheimat des am 26. Januar 1949 in New York, USA, geborenen Jonathan Samuel Carroll ist schon seit Jahrzehnten Wien, literarisch residiert er ganz am Rande des Genres und ist am ehesten der Phantastik zuzuordnen, oder, wenn man ihn nicht auf Südamerika beschränkt, dem magischen Realismus.
Schon Carrolls Debütroman The Land of Laughs (1980, dt. Das Land des Lachens (1986)) gibt die Richtung vor, die auch seine folgenden Romane einschlagen sollten: Lange Zeit ist an der Geschichte von Thomas und Saxony, die zusammen ihrem Lieblingsautor nachspüren, um eine Biographie zu schreiben, nichts Übernatürliches, bis dann in der Mitte des Romans ein Bullterrier die Stimme erhebt und damit die meisten Hauptfiguren nicht annähernd so sehr überrascht, wie man es erwarten würde. Den immer skurrileren Entwicklungen, die die Grenze zwischen Realität und Fiktion weiter verwischen, begegnen sie dann lediglich noch mit einem Schulterzucken. Die Schöpfungen aus den fiktiven Kinderbüchern des im Mittelpunkt der Geschichte stehenden Schriftstellers Marshall France bringen dagegen von Anfang an in Form von sprechenden Papierdrachen und traurigen Hunden eine Aura des Surrealen in das Geschehen ein. Auf bitterböse Weise zerlegt der Roman Familienbande, Beziehungen und das Konzept der Autorschaft und kann auch damit stellvertretend für Carrolls Werk stehen.
Den Bullterrier und die mysteriöse Femme fatale, beides für Carroll typische Elemente, findet man auch in Outside the Dog Museum (1991, dt. Vor dem Hundemuseum (1993)) wieder, das vom zunächst widerstrebend angenommenen Projekt des Star-Architekten Harry Radcliffe erzählt, für einen Sultan aus einem fiktiven Land ein gigantisches Hundemuseum zu bauen. Radcliffes Leben, das durch seine Scheidung ohnehin aus den Fugen geraten war, nimmt immer phantastischere Wendungen, je weiter er sich in das Projekt hineinsteigert. Politische Unruhen behindern und verändern das Museumsvorhaben, während spirituelle Entwicklungen das Geschehen in einen religiösen Kontext stellen und Outside the Dog Museum durch wichtige Nebenfiguren und durch eines von Carrolls Lieblingsthemen – die Frage danach, ob es etwas nach dem Tod gibt – mit anderen Romanen aus seinem Werk verbinden.
Seine Hauptfiguren sind häufig zu Beginn der Geschichte bereits als Geister unterwegs, schlagen sich dann aber trotzdem mit recht mondänen Problemen herum, oder sind von Lebenskrisen gebeutelte Künstler und Schöpfer, die den wahren Schaffensakt erst ergründen müssen. Dass diese Mischung aus exzentrischen Ideen und alltäglichen Nöten von der Standard-Fantasy ziemlich weit weg ist und Jonathan Caroll noch dazu ein wenig zwischen den Stühlen sitzt, zeigt sich auch darin, dass seine Bücher seit mittlerweile gut zehn Jahren nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden.
Tag: Jubiläen
Bibliotheka Phantastika nimmt den heutigen 75. Geburtstag der Gebrüder Hildebrandt zum Anlass, den malenden Zwillingen einen kurzen Text zu widmen. Wie man unschwer erkennen kann, haben wir auf unseren ansonsten in diesen Fällen üblichen Einleitungssatz verzichtet, denn gratulieren können wir nur einem der beiden – nämlich Greg Hildebrandt –, während wir an Tim Hildebrandt nur noch erinnern können, da Letzterer bereits am 11. Juni 2006 an im Rahmen seiner Diabeteserkrankung auftretenden Komplikationen gestorben ist. Beruflich hatten sich die Wege der am 23. Januar 1939 in Detroit, Michigan, geborenen Zwillinge schon um 1982 herum getrennt, nachdem sie zuvor mehr als 20 Jahre in allen möglichen Bereichen hauptsächlich als Illustratoren eng zusammengearbeitet hatten. Der große Durchbruch gelang ihnen 1975: nachdem sie bereits ein Titelbild für J.R.R. Tolkiens Smith of Wootton Major & Farmer Giles of Ham gemalt hatten, wurden sie mit dem Projekt beauftragt, das sie schlagartig bekannt machen sollte – den Illustrationen für die Lord-of-the-Rings-Kalender 1976, 1977 und 1978.
Besagte Illustrationen haben nicht nur das optische Erscheinungsbild von Mittelerde jahrelang geprägt, sondern waren zusammen mit weiteren Arbeiten – wie etwa den Bildern (Titelbild und Innenillustrationen) zu Terry Brooks’ Bestseller The Sword of Shannara, vor allem aber dem bekannten Star-Wars–Poster – dafür verantwortlich, dass man wohl mit einer gewissen Berechtigung behaupten kann, dass die Hildebrandts Ende der 1970er Jahre die bekanntesten und bedeutendsten Fantasyzeichner (zumindest in den USA) waren.
Während der Arbeiten am dritten LotR-Kalender reifte in den Brüdern die Überzeugung, dass The Lord of the Rings ins Kino gehört – natürlich mit ihnen als Art Directors. Allerdings war damals noch Ralph Bakshi im Besitz der Filmrechte, und daher beschlossen sie, ihren eigenen Fantasyfilm zu konzipieren. Sie holten sich Jerry Nichols für den Text ins Boot und erarbeiteten die Hintergründe und den Plot ihrer ganz eigenen epic fantasy
quest mit allem was dazugehört: Menschen aus verschiedenen Reichen, zweierlei Elfen und Zwergen und natürlich auch einem dunklen Herrscher mit seinen Schergen. Das unter dem Namen “Urshurak” laufende Konzept erwies sich aber – vor allem aus angesichts der erforderlichen special effects nachvollziehbaren Kostengründen – als unverfilmbar. Aber da Greg & Tim Hildebrandt gefiel, was Jerry Nichols geschrieben hatte, und sie bereits eine Unmenge an (farbigen und schwarzweißen) Bildern und Skizzen angefertigt hatten, wollten sie das Projekt unbedingt – dann eben auf eine andere Weise – umsetzen. Und so kam im September 1979 Urshurak als üppig illustriertes Tradepaperback auf den Markt.
Über den Roman selbst gibt es eigentlich nicht viel zu sagen – zumindest nicht viel Gutes. Dass er sich im Hinblick auf Plot und Setting stark bei Tolkien bedient, ist angesichts der Vorgeschichte nicht weiter verwunderlich, dass die Figuren flacher als flach sind und sich kein bisschen entwickeln (und wenn sie sich ändern, ist diese Veränderung nirgends logisch begründet) und das Setting auf den ersten Blick zwar überzeugend und teilweise sogar faszinierend aussieht, sich aber auf den zweiten als Potemkinsches Dorf entpuppt, verweist auf die ursprüngliche Entstehung als Filmscript. Gewiss, die Brüder haben hier und da ein bisschen was besser gemacht als Tolkien – aber mit diesem Vorsatz waren sie schließlich auch angetreten (“We felt that the trilogy lacked certain qualities for a modern movie audience. So we put a mingling of races and different cultures into our own story.”*). Aber was nützt es, wenn Urshurak mit einer im Hinblick auf Hautfarbe und Geschlecht größeren Vielfalt der menschlichen Haupt- und Nebenfiguren punktet, als The Lord of the Rings (und generell ein Großteil der frühen epischen Fantasy) sie aufweist, wenn die Hildebrandts (oder vielleicht Jerry Nichols, der nur dieses eine Buch geschrieben hat) diesen Pluspunkt mit der Figur des Gwarpy Oolu gleich wieder konterkarieren? Oolu ist ein kleines, dickliches, pelziges Wesen, das merkwürdig spricht und wohl als comic relief dienen sollte, und die Gwarpies an sich sind so eine Art vorweggenommene Ewoks – allerdings sind sie nicht annähernd so knuffig.
Was bleibt, sind die mehr als ein Dutzend Farbtafeln, mit denen das Buch ausgestattet ist, und die bieten dem Betrachter – vor allem, wenn er den auf kräftige Farben und Lichteffekte setzenden Stil der Gebrüder Hildebrandt mag – durchaus Schauwerte, und die unzähligen Schwarzweiß-Illustrationen sind teilweise wirklich großartig. Und natürlich gewinnen am Ende die Guten ohne große Verluste beklagen zu müssen. Was das Buch eigentlich zu einem wunderbaren Kinderbuch machen würde … wenn es denn nicht so langatmig und uninspiriert erzählt wäre.
Was bleibt, ist auf die beeindruckende Karriere von Greg & Tim Hildebrandt – gemeinsam und allein – als Grafiker hinzuweisen, die in ihren Tolkien-Kalendern und Bildbänden wie z.B. The Art of the Brothers Hildebrandt (1979), Star Wars: The Art of the Brothers Hildebrandt (1997) oder Greg and Tim Hildebrandt: The Tolkien Years (2001) dokumentiert ist. Von daher sollten die Gebrüder Hildebrandt, die mit ihren Bildern gewiss einen bleibenden Beitrag zur Fantasy geleistet haben, es eigentlich verschmerzen können, mit dem 1980 auch auf Deutsch erschienenen Urshurak allenfalls für eine Fußnote gesorgt zu haben.
* – Tim Hildebrandt in: Karen Haber (Ed.) – Meditations on Middle-Earth (2001)
Bibliotheka Phantastika erinnert an A. Merritt, dessen Geburtstag sich heute zum 130. Mal jährt. Der am 20. Januar 1884 in Beverly, New Jersey, geborene Abraham Grace Merritt – der zu Lebzeiten im Original fast immer unter A. Merritt veröffentlichte – dürfte heutzutage in Deutschland allenfalls noch Genrekennern ein Begriff sein, dabei war er während seiner rund ein Vierteljahrhundert währenden Karriere einer der erfolgreichsten und bekanntesten Pulp-Autoren, den seine Fans als “Lord of Fantasy” bezeichneten, und dessen Werke (von einer einzigen Ausnahme abgesehen) nicht nur bereits kurz nach ihrer Magazinveröffentlichung eine Hardcoverausgabe erlebten, sondern auch in den folgenden Jahrzehnten vor allem in den USA immer wieder neu aufgelegt wurden. Was seine Romane und Erzählungen heute noch – zumindest unter genrehistorischen Gesichtspunkten – interessant macht, ist die Tatsache, dass er quasi an der Schnittstelle zwischen dem nur marginal phantastischen Abenteuerroman und der sich gerade konstituierenden Fantasy steht, indem er sich einerseits mehrfach der Lost-Race-Thematik bediente, andererseits gelegentlich neue Ideen und Konzepte verwendete, die erst viel später zur vollen Blüte kommen sollten.
Merritts schriftstellerische Karriere begann im November 1917 mit der Veröffentlichung der Kurzgeschichte “Through the Dragon Glass” in All-Story Weekly, in der sich bereits viele der für sein Werk typischen Elemente wie der tapfere Held, die zu rettende exotische Schönheit, eine fantastische Welt und eine adjektivüberladene, verschnörkelte, melodramatische Sprache finden lassen. Zwei Monate später folgte “The People of the Pit” im gleichen Magazin, in der ein nichtmenschliches, göttergleiches, mit Tentakeln bewehrtes Wesen eine wichtige Rolle spielt und die möglicherweise den jungen Lovecraft mehr als nur ein bisschen beeindruckt hat.
1919 erschien mit The Moon Pool (dt. Der Mondsee (1978), auch Der Mondteich (NÜ 1988)) Merritts erster Roman, der aus der gleichnamigen Erzählung und dem sechsteiligen Serial “The Conquest of the Moon Pool” (beides wiederum in All-Story Weekly) hervorgegangen war. In dem einerseits typischen, wenn auch kompliziert angelegten Lost-Race-Roman, der allerdings in der Darstellung und Entstehungsgeschichte des ebenfalls vorhandenen Monsters weit über die normale Lost-Race-Thematik hinausgeht, bekommt es der Held gleich mit zwei schönen Frauen zu tun – und natürlich gilt in diesem Fall: je verführerischer und sinnlicher eine Frau ist, desto gefährlicher ist sie. Diese Konstellation – hier die unschuldige, sittsame schöne Heldin, dort die ebenso schöne, aber verführerisch-sinnliche Femme fatale, die zudem häufig über ein gefährliches, nichtmenschliches Monstrum gebietet – findet sich in einigen weiteren Romanen Merritts, allerdings nicht in der Quasi-Fortsetzung The Metal Monster (Erstabdruck 1920 in Argosy, rev. Buchveröffentlichung 1945).
Nur durch eine vage Rahmenhandlung mit The Moon Pool verbunden, ist The Metal Monster (dt. Metallstadt (1988)) Abraham Merritts in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlichster Roman: Zunächst einmal als seine erste Veröffentlichung in Argosy, dem wohl prestigeträchtigsten und am besten zahlenden Pulp-Magazin, dann als einziger Roman, der mehr als zwanzig Jahre auf eine Hardcoverausgabe warten musste – und schließlich inhaltlich, denn in ihm schildert Merritt auf eine für ihn ungewöhnlich zurückgenommene Weise im Gewand eines Lost-Race-Romans die Begegnung einer Himalaya-Expedition mit einem unsagbar fremdartigen und fremden außerirdischen Lebewesen, die mutmaßlich (erneut) H.P. Lovecrafts kosmische Horrorvisionen spürbar beeinflusst haben dürfte.
In The Ship of Ishtar (1926; Erstveröffentlichung 1924 in Argosy; dt. in zwei Bänden als Schiff der Ischtar und König der zwei Tode (beide 1977) bzw. in einem Band als Insel der Zauberer (1999)) ist Merritt stilistisch dann wieder ganz der Alte. Der Roman erzählt die Abenteuer des Archäologen John Kenton, der auf magische Weise in eine Parallelwelt und auf das titelgebende Schiff gerät, das auf einem ebenso endlos wie leer erscheinenden Ozean dahintreibt und auf dem sich die Repräsentanten der miteinander streitenden Götter Ishtar und Nergal seit ewigen Zeiten bekämpfen. In gewisser Hinsicht ist The Ship of Ishtar ein Vorläufer der Heroic Fantasy oder der Sword & Sorcery und lebt von Merritts barocker, die Handlung aber immer rasch vorantreibender Prosa, die teilweise ungemein plastische, exotische Bilder heraufbeschwört. Nicht zuletzt auch wegen des Endes kann man The Ship of Ishtar auch heute noch lesen … wenn, ja wenn man mit Helden, Schurken und schönen Frauen leben kann, die nur jeweils eine einzige Eigenschaft besitzen – nämlich heldenhaft, schurkisch oder schön zu sein –, die aber im Übermaß. Die Argosy-Leser haben sich davon zumindest nicht abhalten lassen und den Roman zum besten jemals in ihrem Magazin veröffentlichten Fantasytext gewählt.
Auch in The Face in the Abyss (1931; entstanden aus der gleichnamigen, 1923 in Argosy erschienen Erzählung und dem Serial “The Snake Mother” (1930); dt. Die Schlangenmutter (1980), auch Das Gesicht im Abgrund (NÜ 1987)) schildert Merritt eine fantastische Welt, zu der man dieses Mal in den Bergen von Peru Zutritt erlangt und in der es nicht nur eine, sondern gleich mehrere “vergessene Rassen” gibt. Die Lost-Race-Thematik findet sich ebenso in Dwellers in the Mirage (1932; Erstabdruck im gleichen Jahr in Argosy; dt. in zwei Bänden als Königin im Schattenreich und Die Höhle des Kraken (beide 1978), auch Das Volk der Fata Morgana (NÜ 1986)); dieser Roman kann es zwar in punkto Farbigkeit nicht ganz mit seinem Vorgänger aufnehmen, dafür sind die beiden Frauen, zwischen denen der Held sich entscheiden muss, überzeugender gezeichnet als in Merritts früheren Romanen (wobei man nie vergessen sollte, dass Dwellers für die Pulps geschrieben wurde), und er scheint hier seinerseits H.P. Lovecraft in Form des Krakengottes Khalk’ru seine Reverenz zu erweisen.
Dass Abraham Merritt stilitisch auch ganz anders konnte, beweist er in Seven Footprints to Satan (1928; Erstabdruck 1927 in Argosy), einem Krimi, mit dem er sich auf Sax-Rohmer-Territorium begeben hat und der erstaunlich schnörkellos und geradlinig erzählt ist. Das Gleiche gilt für den Horrorroman Burn, Witch, Burn! (1933; Erstabdruck 1932 in Argosy; dt. Die Puppen der Madame Mandilip (1956), auch Flieh, Hexe, flieh! (NÜ 1973)), während dessen Quasi-Fortsetzung Creep, Shadow, Creep! (1935; Erstabdruck als “Creep, Shadow!” 1934 in Argosy; dt. Die Königin der Schatten (1978)) stilistisch wieder weniger zurückgenommen ist und auch durch die monströse Kreatur, die in ihm eine wichtige Rolle spielt, einen Bogen zu Merritts Lost-Race-Romanen schlägt.
Bei seinem Tod am 21. August 1943 (im Alter von noch nicht einmal 60 Jahren) hat Abraham Merritt mehrere Story-Fragmente hinterlassen, die teilweise von einem seiner Freunde, dem Grafiker und Schriftsteller Hannes Bok vervollständigt wurden. Bei diesen als The Fox Woman and the Blue Pagoda (1946) bzw. The Black Wheel (1947) erschienenen Geschichten merkt man allerdings rasch, dass Merritts gewiss manchmal zu üppiger, aber in sich meist stimmiger Stil sich gar nicht so leicht kopieren oder simulieren lässt. Natürlich wirkt Merritt heutzutage weder stilistisch noch inhaltlich auch nur ansatzweise zeitgemäß sondern ziemlich “gestrig” – seine Frauenfiguren scheinen genau genommen nicht nur von gestern, sondern von vorgestern zu stammen; um so erstaunlicher ist es, dass seine Helden ihnen trotzdem gelegentlich sehr hilflos gegenüberstehen –, aber er hat der Fantasy mit seinen teilweise überbordenden Beschreibungen fremder, fantastischer, wirklich exotischer Welten eine Tür geöffnet, durch die sie seither immer wieder gerne geschritten ist.
Bibliotheka Phantastika gratuliert R.A. Salvatore, der heute seinen 55. Geburtstag feiert. Als äußerst produktiver und kommerziell erfolgreicher Fantasy-Autor hat der am 20. Januar 1959 in Leominster, Massachusetts, USA, geborene Robert Anthony Salvatore die Entwicklung des Rollenspielromans in den 1980ern und 1990ern maßgeblich mitgestaltet und ist dabei vor allem mit zwei Elementen verknüpft: Der Rollenspielwelt Forgotten Realms bzw. Faerûn, in die er als 1987 als Romanautor einstieg und die er mit Figuren und Schauplätzen aus seinen Romanen prägte, und mit einer jener Figuren, nämlich dem Dunkelelf Drizzt Do’Urden.
Dieser trat schon als einer der Protagonisten in Salvatores erster Trilogie für das Forgotten-Realms-Setting auf, der Icewind Dale Trilogy, bestehend aus den Bänden The Crystal Shard (1988, dt. Der gesprungene Kristall, Die verschlungenen Pfade (beide 1991)), Streams of Silver (1989, dt. Die silbernen Ströme, Das Tal der Dunkelheit (beide 1992)) und The Halfling’s Gem (1990, dt. Der magische Stein, Der ewige Traum (beide 1992)), die von etlichen relativ generischen Questen und Schlachten einer Heldengruppe erzählt und sich gleichermaßen bei Tolkien (bis hin zu einem Nachbau der Brücke von Moria) und der Sword & Sorcery bedient. Salvatore ist ein sehr actionlastiger Autor, bei dem die Helden sich von einem Abenteuer ins nächste stürzen und kleine und große Kämpfe nicht lange auf sich warten lassen.
Interessanter wird es da schon bei der zweiten Trilogie, die sich in Form eines Prequels auf den Werdegang von Drizzt Do’Urden konzentriert und ihn im ersten Band Homeland (1990, dt. Der dritte Sohn, Im Reich der Spinne (beide 1992)) in seiner Heimat zeigt, einer unterirdischen Stadt der Dunkelelfen. Dort muss sich Drizzt mühsam durch eine durch und durch böse Gesellschaft schlängeln, ohne mit seinen eigentlich guten Absichten aufzufliegen, bis die ständige Kollision mit den Moralvorstellungen seiner Umgebung nur noch zur Flucht führen kann. Zwar lässt die Spinnengöttin seines Volkes ihn auch im zweiten Band Exile (1990, dt. Der Wächter im Dunkel, Im Zeichen des Panthers (beide 1992)) nicht einfach so gehen, doch das Schicksal meint es nicht nur schlecht mit ihm, denn immerhin kämpft der magische Panther Guenhwyvar an seiner Seite. Trotzdem ist Drizzt immer von Einsamkeit bedroht, was sich nicht nur in seinen nur selten gut endenden Begegnungen in der Unterwelt von Faerûn zeigt, sondern auch, als er im dritten Band Sojourn (1990, dt. In Acht und Bann, Der Hüter des Waldes (beide 1992)) letztlich an die Oberfläche kommt, wo er feststellen muss, überall als ein Angehöriger eines gefürchteten und verhassten Volkes erkannt zu werden.
Die beiden Trilogien sind auch als ungesplittete Sammelbände neu aufgelegt worden: Die Icewind Dale Trilogy als Der gesprungene Kristall, Die silbernen Ströme und Der magische Stein (alle 2012), und die Dark Elf Trilogy unter Völkerromandeckmantel als Die Dunkelelfen (2010), Die Rache der Dunkelelfen (2010) und Der Fluch der Dunkelelfen (2011).
Neben einigen Reihen in eigenen Fantasy-Settings (wie etwa den Chronicles of Ynis Aielle, Salvatores allererstem Vorstoß in die Fantasy (wenn auch seine ersten Rollenspielromane früher veröffentlicht wurden), oder der Demon Wars Saga) und Ausflügen ins Star-Wars-Universum ist R.A. Salvatore seinem Helden Drizzt und auch dem Volk der Dunkelelfen, dessen Geschichte er immer weitergeschrieben hat, treu geblieben und steuert in regelmäßigen Abständen neue Abenteuer bei – was auch ganz gut zu einer Autorenkarriere passt, die mit ihrer Popularisierung der Dunkelelfen (vor allem solcher, die die Gesinnung ihrer Gesellschaft von sich weisen) dem Rollenspiel bisher ein größeres Erbe hinterlassen hat als der Fantasy-Literatur.
Bibliotheka Phantastika gratuliert Shaun Tan, der heute seinen 40. Geburtstag feiert. Es ist gar nicht leicht, den am 15. Januar 1974 in Fremantle im australischen Bundesstaat Western Australia geborenen Autor und Illustrator in eine Schublade einzuordnen, aber dass er der Phantastik angehört, ist unverkennbar: Er beschreibt in Wort und Bild utopische Städte und Landschaften, in denen es von merkwürdigen Apparaten und Symbolen wimmelt, wie etwa in seiner (inzwischen auch verfilmten) Geschichte The Lost Thing (1999, dt. Die Fundsache (2009)), die einen Mann auf der Mission begleitet, ein seltsames und anhängliches Fundstück nach Hause zu bringen, von dem nicht einmal ganz klar ist, ob es sich um Tier oder Maschine handelt.
Auch für The Arrival (2006, dt. Ein neues Land (2008)) machte sich Shaun Tan die surreale, traumartige Astmosphäre zunutze, die seine Illustrationen auszeichnet: In der völlig ohne Worte erzählten Geschichte eines Migranten, der sich in seiner neuen Heimat durchschlagen muss, findet er eine universelle, phantastische Bildsprache für das völlige Fremdsein, das Heimweh, die unzähligen Gründe, die einen Menschen aus seinem Heimatland treiben können. Shaun Tans eigene Familiengeschichte und urmenschliche Themen fließen hier zu einer nicht nur visuell überzeugenden, sondern auch zu Herzen gehenden Geschichte zusammen, die sich jeder anschauen sollte, der wissen möchte, was man mit dem Medium Comic alles anstellen kann.
Haustiere, imaginäre Freunde, merkwürdige Wesen an Orten, an die sie eigentlich nicht gehören, stellen auch den Inhalt für Tales from Outer Suburbia (2008, dt. Geschichten aus der Vorstadt des Universums (2008)): Dieses Gesamtkunstwerk, das vom einseitigen Konzeptwerk bis zur längeren Kurzgeschichte eine riesige Bandbreite an unterschiedlichen Erzähl- und Illustrationsstilen enthält – Collagen, Bildergeschichten, illustrierte Texte, Bastelanleitungen, und vieles mehr -, richtet sich mit seinen oft jungen Protagonisten, in deren Welt die Realität stark im Fluss ist, an ein jüngeres Publikum, aber die verschrobenen Geschichten, die nur selten klassisch aufgelöst werden, bringen garantiert auch Erwachsene zum Nachdenken.
Das virtuose Spiel mit verschiedenen Medien (und nicht zuletzt damit, was alles als Geschichte durchgeht) macht Shaun Tan auf jeden Fall zu einer der interessanteren Gestalten, die sich am Rande des Genres herumtreiben.
Bibliotheka Phantastika gratuliert Christopher Stasheff, der heute 70 Jahre alt wird. Der am 15. Januar 1944 in Mount Vernon im amerikanischen Bundesstaat New York geborene Christopher Boris Stasheff hat – beginnend mit seinem ersten Roman The Warlock in Spite of Himself (1969; dt. Zauberer von den Sternen (1981)) – ein mittlerweile mehr als 40 Romane umfassendes Oeuvre geschaffen, die man fast alle in Ermangelung einer besseren Bezeichnung der Science Fantasy zurechnen könnte, da sie Elemente aus beiden Genres auf häufig humoristische Weise in sich vereinen. Darüber hinaus hat er eine reine SF-Trilogie geschrieben und auch einen Roman zum Wing-Commander-Franchise beigesteuert. Der umfangreichste und wohl auch wichtigste Teil seines Werkes ist die mit dem o.g. Roman begonnene sogenannte Warlock-Sequenz mit ihren Ablegern.
In The Warlock in Spite of Himself landet Rodney d’Armand – besser bekannt unter dem Namen Rod Gallowglass –, ein terranischer Agent (genauer: ein Agent von SCENT, der Society for the Conversion of Extraterrestrial Nascent Totalitarianisms), auf dem Planeten Gramarye. Begleitet wird er dabei von Fess, einem zu epileptischen Anfällen neigenden Roboter in Pferdegestalt. Bei Gramarye handelt es sich um eine vergessene irdische Kolonie, die auf eine mittelalterlich-feudalistische Kulturstufe zurückgefallen ist; außerdem scheint hier Magie zu funktionieren, denn es gibt Hexen und Zauberer, Werwölfe, Elfen und andere übernatürliche Erscheinungen. Und auch wenn der clevere Rod die vorgeblich magischen Kräfte der Hexen und Zauberer alsbald als PSI-Kräfte identifiziert, ändert das nichts an der Tatsache, dass mithilfe dieser Kräfte Dinge und Wesen geschaffen werden können, die Bestand haben und sich fortpflanzen – was den sumpfigen Hinterwäldlerplaneten schlagartig zu einem für das terranische Imperium sehr interessanten Objekt macht …
Der mit Handlung und durchaus originellen Ideen vollgepackte Roman, der ebenso spannend wie humorvoll erzählt wird, wurde 1971 mit King Kobold deutlich schwächer fortgesetzt, und auch die 1984 erschienene, stark überarbeitete Version unter dem Titel King Kobold Revived kann mit Stasheffs Erstling, der nach Meinung vieler Kritiker bis heute sein bester Roman geblieben ist und sich auch problemlos allein lesen lässt, nicht ganz mithalten. In Escape Velocity (1983; dt. Der Morgen einer neuen Zeit (1986)) wendet Stasheff sich in einem Prequel den Vorfahren von Rod Gallowglass zu und erzählt die Geschichte der Besiedlung Gramaryes, nachdem er bereits in The Warlock Unlocked (1982) damit begonnen hatte, die weiteren Erlebnisse Rods und seiner Familie auf seiner neuen Heimaltwelt – und auf einer alternativen Welt, auf der es wirklich Magie gibt – zu schildern. In den weiteren Bänden The Warlock Enraged (1985), The Warlock Wandering (1986), The Warlock Is Missing (1986), The Warlock Heretical (1987), The Warlock’s Companion (1988), The Warlock Insane (1989), The Warlock Rock (1990), Warlock and Son (1991) und The Warlock’s Last Ride (2004) stehen abwechselnd Rod und seine Frau Gwendolyn oder eines oder mehrere ihrer Kinder im Mittelpunkt, ohne der Reihe allzuviel Neues hinzuzufügen.
Letzteres gilt in ähnlicher Form für den aus zehn Bänden bestehenden Ableger Rogue Wizard (1995-2001), in dem Rods ältester Sohn Magnus – häufig unter dem Namen Gar Pike – die Hauptrolle spielt, sowie für den zweiten Ableger Warlock’s Heirs (1994-2001), dessen vier Bände sich jeweils um eines der vier Gallowglass-Kinder Magnus, Cordelia, Geoffrey und Gregory drehen.
Christopher Stasheffs zweiter wichtiger (und dieses Mal eindeutiger der Fantasy zuneigender) Zyklus verrät schon in seinem Titel ein wichtiges Element, denn in A Wizard in Rhyme spielen Reime eine wichtige Rolle. Die aus den Romanen Her Majesty’s Wizard (1986; dt. Der Zauberer Ihrer Majestät (1992)), The Oathbound Wizard (1993), The Witch Doctor (1994), The Secular Wizard (1995), My Son, the Wizard (1997), The Haunted Wizard (2000), The Crusading Wizard (2000) und The Feline Wizard (2000) bestehende, vage an Alan Dean Fosters Spellsinger– aka Bannsänger-Zyklus erinnernde Reihe fällt im Vergleich zu den ersten Bänden der Warlock-Sequenz allerdings ebenso spürbar ab wie die beiden Bände um The Star Stone (1995-1996).
Bibliotheka Phantastika gratuliert Terry Brooks, der heute seinen 70. Geburtstag feiert. Wenn es einen Autor gibt, an den sich die Kritik an der generischen Questen-Fantasy hauptsächlich richtet, dann ist es der am 8. Januar 1944 in Sterling, Illinois, USA geborene Terry Brooks, der mit seinem ersten Roman The Sword of Shannara 1977 vielen Autoren der 80er Jahre, in denen dieses Subgenre am populärsten war, den Weg bahnte. Und bei besagtem Erstling kann man der Kritik eigentlich auch nur recht geben: Brooks, damals noch praktizierender Anwalt, wurde durch den Erfolg der amerikanischen TB-Ausgabe von Tolkiens Herr der Ringe zum Schreiben angespornt, und diese Inspiration merkt man dem Roman sehr, sehr deutlich an. Die gute Nachricht: Man kann ihn völlig problemlos überspringen und zum zweiten Band der Reihe greifen, The Elfstones of Shannara (1982), der eine deutlich eigenständigere Geschichte mit schönem Konzept erzählt (hier besprochen).
Die Shannara-Bände könnte man auch als Fantasy-Familiensaga bezeichnen: In den Vier Ländern, die von Menschen, Trollen, Elfen, Zwergen und Gnomen bewohnt und regelmäßig von außer Kontrolle geratenen Magiern oder anderen bösen Mächten heimgesucht werden, aber zum Glück über einen Druidenorden verfügen, der ein Auge auf derlei Entwicklungen hat (bald jedoch auch nur noch ein Mitglied), sind es immer Angehörige der gleichen Familien, die in verschiedenen Generationen die Heldenrollen bekleiden. Spannend sind dabei einerseits die von Brooks gestreuten Hinweise darauf, dass die Welt der Vier Länder unsere Welt nach einem apokalyptischen Ereignis ist, und sein liebevoller Umgang mit seinen häufig zwar stereotypen, aber sehr effektiv umgesetzten Figuren. Außerdem tauchen immer wieder interessante Konzepte auf, meist am Rande des Geschehens, manchmal aber auch mittendrin, wie etwa im dritten Band der Reihe, The Wishsong of Shannara (1985), in dem sich die Magie als Lied mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen bei zwei Geschwistern der Familie Ohmsford Bahn bricht.
Auch in der breiter angelegten Folgereihe The Heritage of Shannara (The Scions, The Druid, The Elfqueen, The Talismans … of Shannara (1990-1993)) finden sich Brooks’ Markenzeichen: Schlachten, reisende Helden mit ihren Gefährten, fremdartige Wesen, viel Magie und irgendwo zwischendrin immer wieder eine bizarre Figur oder ein zauberhafter Ort.
Schon nach der ersten Shannara-Trilogie wandte sich Brooks allerdings erst einmal einem anderen Setting zu: einem Fantasy-Königreich namens Landover, das sich der depressive Anwalt Ben Holiday aus einem Katalog kauft und prompt als König dorthin befördert wird, nur dass es in seinem neuen Königreich nicht besonders rosig aussieht. Im ersten Band Magic Kingdom for Sale – Sold! (1986) lernt Ben sich in der fremden Welt, die nach eigenen, magischen Regeln tickt, zu
behaupten, in den Folgebänden (The Black Unicorn (1987), Wizard at Large (1988), The Tangle Box (1994), Witches’ Brew (1995), A Princess of Landover (2009)) schlägt er sich mit verschiedenen Feinden herum, immer wieder verknüpft mit Geschehnissen auf unserer Welt. Landover pendelt zwischen humorvoller und epischer Fantasy – die Welt ist bizarr (Bens Hofschreiber hat z.B. wegen eines verunglückten Zaubers einen Hundekopf) und beheimatet von Natur aus Slapstick-begabte Gnome, doch geht Brooks der Humor nicht immer leicht von der Hand.
Mit dem ersten Band der Word/Void-Trilogie, Running with the Demon (1997), betrat Brooks nur scheinbar Neuland: Die Welt – unsere –, in die zusehends Magie und Dämonen eindringen, bekämpft von einer Handvoll Menschen, verändert sich, und zwar, wie bald deutlich wird, zur Welt der Vier Länder. Die anschließend verfasste Trilogie The Genesis of Shannara verband die beiden Settings miteinander und verrät mehr über die Apokalypse, die zur Folge hatte, dass unsere Welt von Trollen, Zwergen und Gnomen bewohnt wird.
Die Shannara-Reihe wird von Terry Brooks bis heute weitergeführt und erzählt in Prequels und Jahrhunderte später angesiedelten Einzelbänden oder Reihen Geschichten, die ins SF-Genre eintauchen und dann wieder zur High Fantasy zurückkehren. Damit wird die Reihe zu einem der umfangreicheren Zyklen des Genres. Man kann sich allerdings einfach die gelungeneren Bände (vor allem Elfstones und Wishong) herausgreifen und wird dann auch feststellen, dass die Brooks’sche Fantasy zwar (vor allem im Rückblick) generisch ist, aber keineswegs der lieblos heruntergeschriebene Einheitsbrei, den man häufig bei Schreiben-nach-Zahlen-Autoren findet – denn eines kann man ihm wahrlich nicht absprechen: Er ist ein Autor, der sein (vielleicht über seine Blütezeit hinausgekommenes) Genre liebt.
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Die meisten Romane von Terry Brooks wurden ins Deutsche übersetzt, da aber in der Shannara-Reihe die Bücher häufig in drei Bände gesplittet wurden, werden die deutschen Titel der Übersichtlichkeit halber in einem Kommentar nachgeliefert.
Bibliotheka Phantastika gratuliert Eileen Kernaghan, die heute 75 Jahre alt wird. Dass früh mit dem Schreiben anzufangen und schon in sehr jungen Jahren veröffentlicht zu werden keineswegs zwangsläufig zu einer großen schriftstellerischen Karriere oder auch nur zu einem umfangreichen Oeuvre führt, beweist die am 06. Januar 1939 in Grindrod in der kanadischen Provinz British Columbia geborene Eileen Kernaghan. Sie war gerade mal zwölf Jahre alt, als die Vancouver Sun eine ihrer Kurzgeschichten druckte – doch es sollte zwanzig Jahre bzw. bis 1971 dauern, bis mit “Starcult” in Galaxy ihre nächste, dieses Mal phantastische Geschichte erschien. Auch danach ist die Zahl ihrer Veröffentlichungen überschaubar geblieben, was einerseits damit zu tun hat, dass sie laut eigener Aussage ziemlich langsam schreibt, andererseits damit, dass sie immer nur nebenberuflich geschrieben hat.
Eileen Kernaghans erster Roman Journey to Aprilioth (1980) bildet den Auftakt der Grey Isles Trilogy und erzählt von den Nachkommen der Zauberer des versunkenen Atlantis (der Grey Isles), die sich im vorkeltischen Britannien angesiedelt haben und es dort erneut mit den Alten Göttern zu tun bekommen, die für den Untergang ihrer alten Heimat verantwortlich waren und deren Macht sie nun mit einem Steinkreis binden wollen. Doch da viel vom alten Wissen verlorengegangen ist, muss sich der junge Nhiall auf die Reise nach Aprilioth (dem antiken Thera, heutzutage besser bekannt als Santorin) begeben, denn dorthin soll sich eine andere Gruppe Überlebender geflüchtet haben, die sich vielleicht mehr altes Wissen bewahrt hat. Der zweite Band Songs from the Drowned Lands (1983) ist weder ein Roman noch eine Fortsetzung, sondern
ein aus fünf Erzählungen bestehendes, in die letzten Tage vor dem Untergang von Atlantis zurückführendes Prequel, in dessen Mittelpunkt die Schicksale von fünf unterschiedlichen Personen angesichts der drohenden Katastrophe stehen. The Sarsen Witch schließt – etliche Jahre später – wieder an Journey to Aprilioth an. Britannien wurde mittlerweile von den Horse Lords erobert, und Nhialls Volk ist gezwungen, sich im Hügelland zu verstecken. Als die junge Naeri vom Horse Lord Ricca gefangengenommen wird, sieht ihr Vetter Daui darin die Chance, sich vom Joch der fremden Eroberer zu befreien, denn in Naeri fließt das alte zauberkräftige Blut der Grey Isles, sie beherrscht die Erdmagie; nun gilt es nur noch, die Horse Lords dazu zu bringen, einen Steinkreis zu bauen …
Die Grey Isles Trilogy ist in erster Linie aufgrund ihres bronzezeitlichen Settings interessant, denn diese Epoche wird nur selten als Hintergrund eines Fantasyzyklus benutzt. Journey ließe sich zudem auch recht problemlos als historischer Roman lesen, denn im Gegensatz vor allem zum zweiten, 1985 mit dem Aurora Award ausgezeichneten Band finden sich in ihm kaum phantastische Elemente.
Seither hat Eileen Kernaghan fast ausschießlich Jugendbücher verfasst; Dance of the Snow Dragon (1995) erzählt von einer Reise durch einen mythischen Himalaya und greift auf tibetanische Mythen zurück, The Snow Queen (2000) ist eine feministische Nacherzählung des bekannten gleichnamigen Andersen-Märchens, in die Elemente aus der Kalevala und den Mythen der Samen eingeflossen sind (und die ebenfalls mit dem Aurora Award ausgezeichnet wurde), The Alchemist’s Daughter (2004) spielt ein Jahr vor dem Auftauchen der Armada im elisabethanischen England und erzählt die Geschichte eines Mädchens, das die Zukunft vorhersehen kann, und in Wild Talent (2008) führt ihre so bezeichnete Begabung die junge Schottin Jeannie Guthrie zunächst in den Dunstkreis der Theosophischen Gesellschaft Madama Blavatskys, dann ins Paris des fin de siècle – und schließlich über die Grenzen unserer Welt hinaus.
Der einzige nicht für Jugendliche geschriebene Roman aus dieser Zeit wartet ebenfalls mit einem interessanten, bislang selten genutzten Setting auf: Winter on the Plain of Ghosts: a novel of Mohenjo-daro (2004) spielt in einer der beiden wohl wichtigsten Städte der bronzezeitlichen Indus- oder Harappa-Kultur, die – neben dem antiken Ägypten und Mesopotamien – als eine der frühesten Zivilisationen der Welt gilt, und deren Geheimnisse bis heute kaum ansatzweise entschlüsselt wurden. Interessanterweise haben sich in letzter Zeit auch mehrere indische Autoren dieses Teils ihrer Vergangenheit erinnert und Fantasyromane vorgelegt, die vor dem Hintergrund der Indus-Kultur spielen.
Bibliotheka Phantastika gratuliert Midori Snyder, die heute 60 Jahre alt wird. Die am 01. Januar 1954 in Santa Monica, Kalifornien, geborene Midori Madeleine Snyder ist aufgrund des universitären Hintergrunds ihrer Eltern in mehreren amerikanischen Universitätsstädten aufgewachsen, hat afrikanische Sprachen und afrikanische Literatur – mit dem Schwerpunkt auf mündlichen Erzähltraditionen – studiert, ihren Masterabschluss aber in englischer Literatur und Literaturtheorie gemacht. Sie hat einige Jahre ihres Lebens in Afrika und Italien verbracht und lebt heute in Tucson, Arizona. Am Anfang ihrer Autorenkarriere steht die Veröffentlichung der Erzählung “Demon” in der von Terri Wildling und Mark Alan Arnold herausgegebenen Anthologie Bordertown (1986) – dem zweiten von insgesamt drei Bänden mit frühen Geschichten zum Shared-World-Konzept Chronicles of the Borderlands –, die zugleich den Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit mit bzw. freundschaftlichen Beziehung zu Terri Wildling markiert, zu deren Anthologien Midori Snyder auch in Zukunft noch etliche Stories beisteuern sollte.
Ein gutes Jahr später erschien mit Soulstring (1987) ihr erster Roman, in dem sie Elemente der schottischen Ballad of Tam Lin mit Motiven aus der südafrikanischen Folklore verwebt und die Geschichte der ungeliebten Tochter eines Magiers erzählt, der ihr übelnimmt, dass sie seine magischen Fähigkeiten geerbt hat, obwohl sie nur ein Mädchen ist. Deshalb versucht ihr Vater, sie möglichst schnell zu verheiraten, damit sie einen männlichen Erben hervorbringen kann. Die entsprechenden, recht zahlreich auftretenden Bewerber müssen sich allerdings einer Reihe von Prüfungen unterziehen – und sterben, wenn sie scheitern. Und als einer es dann tatsächlich schafft, fangen die Probleme erst richtig an … Nicht zuletzt bedingt durch seine Nähe zu alten Sagen und Legenden ist Soulstring ein märchenhafter High-Fantasy-Roman, der trotz seines geringen Umfangs von noch nicht einmal 200 Seiten mit einem interessanten Setting, größtenteils überzeugenden Figuren und einer Reihe cleverer Plot-Twists aufwarten kann und vor allem als Erstling aller Ehren wert ist.
Dass dieser Erstling keine Eintagsfliege war, bewies Midori Snyder mit New Moon (1989), dem Auftakt der Trilogie The Queens’ Quarter: Einst herrschten vier Schwestern über das Land Oran, die nicht nur jeweils eines der klassischen Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft repräsentierten und damit den Queens’ Knot bildeten, sondern auch für ein Gleichgewicht der Kräfte sorgten
und die Mächte des Chaos im Zaum hielten. Doch vor rund 200 Jahren tötete Zorah, die Feuerkönigin, ihre drei Schwestern und vereinte damit alle magischen Kräfte auf sich, was ihr unter anderem ewige Jugend garantiert. Um einen Aufstand zu unterdrücken, holte sie kurz darauf Soldaten aus dem Nachbarland nach Oran – doch diese Sileans sind immer noch da und halten Oran mehr oder weniger besetzt. Zorah selbst herrscht vor allem in der Hauptstadt Beldan mit absoluter Macht; sie lässt alle Kinder darauf untersuchen, ob sie Spuren der alten magischen Kräfte in sich tragen – und lässt alle diejenigen töten, bei denen es entsprechende Anzeichen gibt. Aber die alte Magie des Landes ist stark, und Zorah kann nicht alle magisch begabten Kinder erwischen, doch nur, wenn sich vier finden, die die vier Elemente repräsentieren, können sie einen neuen Queens’ Knot bilden – und vielleicht der Gewaltherrschaft der Feuerkönigin ein Ende setzen … Ob bzw. vor allem wie diese vier Mädchen sich finden, mit welchen Mitteln Zorah ihre Macht zu erhalten versucht und welche Rolle die sileanischen Besatzer bei alledem spielen, wird in New Moon und den Folgebänden Sardar’s Keep (1990) und Beldan’s Fire (1993) erzählt. Interessanterweise enthält The Queens’ Quarter zwar einige Elemente aus der keltischen Mythologie, wirkt jedoch völlig anders als viele vergleichbare Trilogien, da der größte Teil der Handlung in einem in der High Fantasy selten benutzten Setting stattfindet: der Stadt Beldan. Allerdings wirkt Beldan mit seinen im Untergrund lebenden, von gewissenlosen Menschen wie dem Upright Man als Diebesbanden eingesetzten Waisenkindern (die von ihren Eltern verstoßen wurden, weil sie vielleicht über magische Kräfte verfügen) weit mehr wie eine mittelalterliche Version von Dickens’ London als eine typische High-Fantasy-Stadt.
2005 wurde die Trilogie neu aufgelegt, dieses Mal als Jugendbuch aufgemacht und unter dem neuen Titel The Oran Trilogy (“… because not a single publisher put the apostrophe in the correct place the first time around”, sagt Midori Snyder dazu). Das lässt sich im Hinblick auf die zumeist zurückgenommene Gewaltdarstellung und das jugendliche Alter der Hauptfiguren auch problemlos rechtfertigen und sorgt darüber hinaus möglicherweise dafür, dass diese vielschichtige Trilogie, die Entwicklungsgeschichten, gesellschaftliche Themen und die Kraft der Mythen überzeugend miteinander vermischt, in der Umgebung präsentiert wird, in die sie gehört: nämlich in direkter Nachbarschaft zu den großartigen Young-Adult-Trilogien einer Ursula K. Le Guin oder einer Patricia McKillip.
Mit The Flight of Michael McBride (1994) betrat Midori Snyder dann gänzlich neues Terrain, denn der Roman greift auf folkloristische Motive Nordamerikas zurück – oder, anders gesagt: es ist eine Art Fantasy-Western, in dem der Titelheld mit seinem Erbe (er ist der Sohn einer Sidhe, die sein Vater von ihrem Vater in einer Schachpartie gewonnen hat) zurechtkommen muss und eine Reise durch ein Amerika beginnt, in dem das Phantastische hinter jeder Ecke lauern kann.
Nach Hatchling (1995), einem in Jim Guerneys Dinotopia-Universum angesiedelten Jugend- bzw. Kinderbuch, folgte mit The Innamorati (1998) Midori Snyders wohl anspruchsvollster Roman, der 2001 mit dem Mythopoeic Fantasy Award ausgezeichnet wurde. Das Setting ist Italien etwa zur Zeit der Renaissance, aber ein alternatives Italien, in dem Magie existiert und Flüche den Menschen das Leben schwermachen können. Aber es gibt einen Ort, an dem man angeblich von den Flüchen, unter denen man leidet, erlöst werden kann, wenn man ihn voller Vertrauen betritt: das Große Labyrinth im Herzen der Stadt Labirinto. Und daher begeben sich Anna Forsetti, die beste Maskenmacherin Venedigs, die keine Masken mehr machen kann, und Hauptmann Rinaldo Gustiano, der tödlichste Duellant Mailands, der sein Schwert am liebsten für immer aus der Hand legen würde, ebenso in das geheimnisvolle magische Labyrinth wie Fabrizio, der Stotterer, der so gerne Schauspieler bei der Commedia dell’arte wäre, und Erminia, die Sirene, die zu einem stummen Exil fern vom Meer und ihrer heimatlichen Insel verdammt ist. Diese vier Personen begleiten wir zusammen mit ihren Geliebten und ihren Feinden, ihren Trinkkumpanen und ihren zufälligen Bekanntschaften zunächst durch Italien und dann durch das Labyrinth, wo sie lustige und gefährliche, absurde und beunruhigende Abenteuer erleben, bis sie – oder diejenigen, die noch übrig sind – das Zentrum des Labyrinths erreichen und dort herausfinden, ob die Legende tatsächlich stimmt. The Innamorati ist ein ebenso faszinierender wie sperriger Roman, der Elemente der italienischen, sprich: der römischen und etruskischen Mythologie und der Commedia dell’arte nutzt und dessen Figuren bei ihrer Reise durch das Labyrinth auch eine Reise zu sich selbst bzw. durch ihr Inneres machen. Darüber hinaus spürt man, dass Midori Snyder in Mailand gelebt hat, während sie ihn verfasst hat, denn das Setting und die vermittelte Lebensart wirken auf absolut überzeugende Weise “italienisch”.
Mit Hannah’s Garden (2002) folgte ein paar Jahre später ein Jugendbuch, das sich um – durchaus magische – Familiengeheimnisse dreht, während der gemeinsam mit Jane Yolen verfasste, aus der gleichnamigen Erzählung hervorgegangene Roman Except the Queen (2012) von zwei Faeries handelt, die plötzlich getrennt von ihrer magischen Sphäre in unserer Welt stranden, wo ihre unsterbliche Schönheit dahinwelkt und sie sich mit Falten und Schlimmerem konfrontiert sehen.
Zwischenzeitlich hat Midori Snyder immer wieder Geschichten zu Anthologien beigesteuert, die zumeist von Terri Windling herausgeben wurden, mit der zusammen sie nicht nur seit vielen Jahren das Endicott Studio of Mythic Arts betreut, sondern auch das Journal of Mythic Arts herausgegeben hat. Dass es noch nicht einmal einer ihrer Romane aus den 80er und 90er Jahren zu einer deutschen Übersetzung gebracht hat, ist mehr als nur bedauerlich.
Bibliotheka Phantastika gratuliert Amadeus Firgau, der heute 70 Jahre alt wird. Der am 31. Dezember 1943 in Graz geborene Amadeus Firgau arbeitete noch hauptberuflich als Lehrer, als er sich mit Erscheinen seines ersten Romans in die alles andere als überwältigend große Schar derjenigen Autoren und Autorinnen einreihte, die bereits vor dem im Kielwasser der Herr-der-Ringe-Verfilmung einsetzenden entsprechenden Boom erfolgreich deutschsprachige Fantasy veröffentlicht haben. Interessanterweise ist Sorla Flusskind (1990) nicht bei einem der einschlägigen großen Genreverlage sondern beim kleinen Stendel Verlag erschienen – der allerdings vermutlich das optimale Umfeld geboten hat, denn man war dort damals mit modernen Märchen sehr erfolgreich, und die Wurzeln von Firgaus Erstling liegen deutlich stärker in der mitteleuropäischen Märchen- und Volkssagentradition als in der angloamerikanischen Genrefantasy.
Sorla Flusskind erzählt die Geschichte von Sorle-a-glach, dem “Molch ohne Vater”, einem Menschenkind, das von seiner leiblichen Mutter als Dank für ihre Rettung vor den grausamen Chrebil schon vor seiner Geburt dem Flusstrollweib Squompahin-laschre versprochen wurde. Und so wächst Sorla – wie der Junge am liebsten genannt werden will – fernab von den Menschen unter den Fittichen der ebenso streitbaren wie fürsorglichen Laschre am Gnomfluss auf, lernt in der Wildnis zu überleben und Fische zu fangen. Als Sorla neun Jahre alt wird, schickt Laschre ihn zu den Gnomen im Berg Pelkoll, um noch mehr zu lernen. Im Pelkoll findet Sorla nicht nur in Gwimlin seinen ersten Freund, sondern erlebt mit ihm zusammen auch aufregende und alles andere als ungefährliche Abenteuer. Doch so wohl er sich bei den Gnomen auch fühlt – er spürt immer deutlicher, dass er eigentlich nicht zu ihnen gehört …
Die Welt, in der Sorla heranwächst, ist klein und überschaubar, und wir sehen sie durch seine Augen – das heißt durch die Augen eines Kindes, das naiv, unbefangen und neugierig seine Umgebung erkundet. Dass diese Welt weit größer ist als das, was Sorla von ihr kennenlernt, wird bereits zu Anfang des Romans und auch zwischendurch immer wieder deutlich, und in Sorla Schlangenei (1995) zieht Sorla auf der Suche nach anderen Menschen – vor allem seinen Eltern – in die große weite Welt hinaus, die allerdings zunächst einmal ganz klein und eng für ihn wird, als die grausame Hexe Markreske ihn gefangennimmt. Seine weiteren Begegnungen mit anderen Menschen verlaufen weniger schmerzhaft, doch auch wenn Sorla unter Menschen und somit eigentlich Seinesgleichen ist, spürt er, dass er “anders” ist – und das hat nicht nur mit der Schlange zu tun, die ihm gelegentlich im Traum erscheint und kluge Ratschläge erteilt …
Während Sorla Flusskind über weite Strecken das Gefühl vermittelt, ein Jugendbuch vor sich zu haben – was natürlich dem Alter und der damit verbundenen Weltsicht der Hauptfigur geschuldet ist, obwohl auch die Idylle am Gnomfluss nicht vor den gelegentlichen Härten des Lebens gefeit ist –, wirkt Sorla Schlangenei deutlich düsterer und erwachsener. Das liegt einerseits daran, dass Sorla es nun mit Menschen zu tun bekommt, auch wenn die nicht alle so böse wie Markreske sind, andererseits aber vor allem daran, dass immer klarer wird, dass auf Sorla ein besonderes Schicksal wartet – aber wie wird dieses Schicksal wohl aussehen?
Auf die Beantwortung dieser Frage mussten die Leser und Leserinnen ziemlich lange warten, denn die Sorla-Reihe wurde nach dem zweiten Band vom Stendel Verlag nicht weitergeführt. Was bedauerlich ist, schließlich dürften Sorla Flusskind und Sorla Schlangenei zu den eigenständigsten und originellsten deutschsprachigen Fantasyromanen der 90er Jahre zählen; darüberhinaus überzeugen sie nicht nur inhaltlich, sondern auch, was ihre Ausstattung angeht: das fängt bei den ungewöhnlichen, so gar nicht generischen Titelbildern an und setzt sich bei den Innenillustrationen, den mitwachsenden Karten und dem ebenso mitwachsenden Glossar fort. Und es ist erstaunlich, denn die beiden Romane waren – gemessen an den Möglichkeiten eines kleinen Verlags im Prä-Internetzeitalter – durchaus erfolgreich, auch wenn sie weit entfernt von den enormen Auflagen waren, die der Stendel Verlag mit seinen modernen Märchen erzielt hat.
2008 hat Amadeus Firgau die Sache schließlich selbst in die Hand genommen und die noch ausstehenden Romane des Sorla-Zyklus – Sorla Drachenvetter, Sorla Feuerreiter und Sorla Drachenkaiser – bei Lulu veröffentlicht. Leider entspricht der Satz dieser drei Romane so gar nicht dem, was man auch schon zu diesem Zeitpunkt von Print-on-Demand-Produkten erwarten konnte (und normalerweise geboten bekommen hat), was das Lesevergnügen, Sorla auf der Suche nach seinem Platz in der Welt der Menschen zu begleiten, deutlich mindert. Und das ist schade, denn auch wenn anhand der Titel bereits zu erahnen ist, wohin Sorlas Lebensreise ihn letztlich führen wird, gäbe es unterwegs vermutlich noch viel zu entdecken.
Insofern wäre es wünschenswert, dass vielleicht irgendwann einmal eine satztechnisch etwas überzeugender gestaltete Neuauflage der letzten drei Romane erscheint, denn inhaltlich und erzählerisch muss Amadeus Firgau sich mit seinem Sorla-Zyklus – gerade, weil er so anders ist, aus anderen Wurzeln schöpft und sich anderer Bilder bedient – vor der zeitgenössischen deutschsprachigen Konkurrenz absolut nicht verstecken. Im Gegenteil …







