David Eddings

portraitiert von Fremdling, gero, Wulfila

David Eddings, Quelle: http://www.luebbe.de

David Eddings (* 7. Juli 1931, † 2. Juni 2009) ist vor allem für seine mit einem leichten Augenzwinkern geschriebene klassische High Fantasy bekannt. Nach der High School arbeitete er für ein Jahr, bevor er am Junior College Rhetorik (speech), Schauspiel (drama) und Englisch studierte, wobei er gerne die männliche Hauptrolle in seinen eigenen Stücken spielte. Seinen BA erwarb er am Reed College, seinen MA an der University of Washington. Nach einigen Jahren als College-Dozent zog er mehrmals um, arbeitete in verschiedenen Jobs und schrieb an seinem ersten (veröffentlichten) Roman High Hunt.

Im Jahre 1962 heiratete er Leigh Eddings (geborene Judith Leigh Schall), die 2007 verstarb. Obwohl anfangs nur David Eddings als Autor angeführt wurde, unterstützte sie ihn beim Schreiben vieler seiner Bücher und wurde ab Mitte der 1990er Jahre schließlich auch als Co-Autorin kenntlich gemacht.

Eddings’ Interesse an der Fantasy erwachte nach ersten literarischen Gehversuchen in anderen Genres vor allem aufgrund des immensen Erfolgs des Herrn der Ringe. Dass eher Bewunderung für ein Erfolgskonzept als Begeisterung für konkrete Inhalte für seinen Einstieg in die Fantasy verantwortlich waren, schlägt sich auch in seiner schriftstellerischen Herangehensweise nieder: Anders als Tolkiens aus der intensiven direkten Auseinandersetzung mit Sprache und vor allem mittelalterlicher Literatur entstandene Werke bilden Eddings’ Romane die konsequente Umsetzung abstrakten Wissens um bewährte Strukturen und Motive. Formelhaftigkeit ist bei ihm kein Nebenprodukt einer Geschichte, sondern ein bewusst eingesetztes Stilmittel.

So ist auch Eddings’ bekanntestes Werk, die von 1982 bis 1984 in fünf Bänden erschienene Belgariad-Saga, von Elementen geprägt, die älteren Erzähltraditionen bis hin zum höfischen Roman entstammen und bis heute zum Standardinventar der epischen Fantasy zählen. Der Aufstieg des vermeintlichen Bauernjungen Garion zum Herrscher vollzieht sich in Form einer klassischen Heldenreise zur Weltrettung, bei der dem jugendlichen Protagonisten natürlich eine buntgemischte Gefährten- und Mentorenschar zur Seite steht. Wie auch die Handlung sind die meisten dieser Figuren in ihren Grundzügen eher archetypisch als komplex, was aber, wie Eddings mit Verve und Humor beweist, den Unterhaltungswert keineswegs mindert.

Die Belgariad-Saga erwies sich als so erfolgreich, dass Eddings ihr mit der ebenfalls fünfbändigen Malloreon-Saga (1987 bis 1991) eine Fortsetzung folgen ließ, in der er das bekannte Figurenensemble – dem sich unterwegs weitere Gefährten und Gefährtinnen hinzugesellen – wieder in die Welt hinausschickt, dieses Mal jedoch noch viel weiter, bis auf den im Osten gelegenen großen Kontinent Mallorea. Und noch während er mit der Arbeit an dieser zweiten Saga mit den Abenteuern von Garion & Co. beschäftigt war, konzipierte und verkaufte er die Elenium-Trilogie an seinen Hausverlag Del Rey, so dass die letzten beiden Bände der Malloreon-Saga abwechselnd mit den ersten Bänden der neuen Trilogie erschienen – eine Tatsache, die den besonderen Status verdeutlicht, den Eddings Ende der 80er Jahre in der amerikanischen Fantasy innehatte.

Im Mittelpunkt der 1989 begonnenen und 1991 vollendeten Elenium-Trilogie steht Ritter Sperber, Angehöriger des Pandionordens, einem von vier religiösen Ritterorden des Reiches Elenien. Gemeinsam mit seinem Freund und Ritterkollegen Kalten sowie seinem treuen Knappen Kurik und Angehörigen der übrigen drei Orden begibt er sich auf die Suche nach einem magischen Artefakt, das seine Königin vor dem Gifttod retten kann. Die Gruppe muss sich im Zuge dessen nicht nur den Schergen des (obligatorischen) bösen Imperiums stellen, sondern auch allerhand korrupten, machthungrigen und/oder verräterischen Figuren aus den eigenen Reihen, und wird außerdem in einen Konflikt zwischen den Göttern hineingezogen. Wer die Figuren aus der Elenium-Trilogie lieb gewonnen hat, kann sie in der 1992 begonnen Tamuli-Trilogie noch einmal in Aktion erleben, selbstverständlich in einem neuen Teil der Fantasywelt.

Nach Beendigung der Tamuli-Trilogie kehrte Eddings mit den beiden Prequels Belgarath der Zauberer und Polgara die Zauberin sowie dem Sekundärband Der Riva-Kodex noch einmal ins Universum der Belgariad- und Malloreon-Saga zurück, ehe er sich mit dem Einzelband Althalus, in dem die Abenteuer eines Diebes geschildert werden, einem neuen Setting zuwandte. Besagte Prequels waren die ersten Werke, auf denen Leigh Eddings als gleichberechtigte Co-Autorin geführt wurde, und ihr größter Reiz liegt darin, die eigentlich bekannte Geschichte noch einmal – und um ein paar neue Details ergänzt – aus einem anderen Blickwinkel erzählt zu bekommen.

Von 2003 bis 2006 folgte schließlich die vierbändige Saga um Die Götterkinder, doch hier wurde endgültig klar, was sich bereits bei Althalus abgezeichnet hatte: Der alte Glanz war verblasst, die Magie erloschen, und so ziemlich alles, was Eddings’ frühe Werke trotz mancher Schwächen lesenswert gemacht hatte, war dahin. Kein Wunder, dass den Götterkindern der Erfolg der frühen Zyklen versagt blieb.

Eddings’ frühe Werke – oder, genauer: die Belgariad- und die Malloreon-Saga sowie die Elenium- und die Tamuli-Trilogie – sind “klassische” Questen-Fantasy im besten Sinne des Wortes, wobei man im Auge behalten sollte, dass er sich keineswegs nur erzählerischer Gemeinplätze bediente, sondern diese selbst miterschuf. Gleichzeitig behandelte er diese Klischees mit einem leichten Augenzwinkern, sodass man bei ihm durchaus Spaß an bestimmten altbekannten Elementen entwickeln kann, ohne dass sie entweder völlig abgedroschen wirken oder gleich zum Fenster hinausironisiert werden müssen. Hinzu kommt noch, dass es ihm gelang, mit seinen Figuren Situationen zu erzeugen, die einfach sehr witzig sind, ohne zu gewollt komisch zu wirken oder in reinen Klamauk abzugleiten.

Dass einen die Klischees, mit denen man sich konfrontiert sieht, gar nicht so sehr stören wie in einem Roman, der nichts bietet, was sie aufwiegen könnte, liegt zum einen daran, dass Eddings sehr gut darin war, eine gewisse Form der Gruppendynamik in seinen Figurenensembles aufzubauen. Zum anderen konnte er übermächtige Charaktere (ganz gleich, ob sie nun magisch oder kämpferisch begabt sind) sehr menschlich und glaubhaft präsentieren. Eddings war sich wohl bewusst, dass er nicht zur Avantgarde des Genres gehörte, sondern sah sich vielmehr als Leseeinstieg und freute sich besonders, wenn er Leute zum Lesen brachte. Aus dem Nachruf des Guardian:
“I look upon this as perhaps my purpose in life,” he said in 1997. “I am here to teach a generation or two how to read. After they’ve finished with me and I don’t challenge them any more, they can move on to somebody important like Homer or Milton.”

Links:
Interview auf sffworld.com
Nachruf auf sffworld.com
Nachruf auf guardian.co.uk

Bibliographie:

Fantasy:

    1982: Pawn of Prophecy (Belgariad 1) – Kind der Prophezeiung/Die Prophezeiung des Bauerns
    1982: Queen of Sorcery (Belgariad 2) – Zauber der Schlange/Die Zaubermacht der Dame
    1983: Magician’s Gambit (Belgariad 3) – Spiel der Magier/Gambit der Magier
    1984: Castle of Wizardry (Belgariad 4) – Turm der Hexer/Turm der Hexerei
    1984: Enchanters’ End Game (Belgariad 5) – Duell der Zauberer/Verwunschenes Endspiel
    1987: Guardians of the West (Malloreon 1) – Herren des Westens
    1988: King of the Murgos (Malloreon 2) – König der Murgos
    1988: Demon Lord of Karanda (Malloreon 3) – Dämon von Karanda
    1989: Sorceress of Darshiva (Malloreon 4) – Zauberin von Darshiva
    1991: The Seeress of Kell (Malloreon 5) – Seherin von Kell
    1995: Belgarath the Sorcerer (Belgariad-Prequel; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Belgarath der Zauberer (Das Auge Aldurs 1)
    1997: Polgara the Sorceress (Belgariad-Prequel; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Polgara die Zauberin (Das Auge Aldurs 2)
    1998: The Rivan Codes (Belgariad-Prequel; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Riva-Kodex (Das Auge Aldurs 3)
    1989: The Diamond Throne (Elenium 1) – Der Thron im Diamant
    1990: The Ruby Knight (Elenium 2) – Der Ritter vom Rubin
    1991: The Sapphire Rose (Elenium 3) – Die Rose aus Saphir
    1992: Domes of Fire (Tamuli 1) – Die schimmernde Stadt
    1993: The Shining Ones (Tamuli 2) – Das leuchtende Volk
    1994: The Hidden City (Tamuli 3) – Das verborgene Land
    2000: The Redemption of Althalus (gemeinsam mit Leigh Eddings) – Althalus
    2003: The Elder Gods (The Dreamers 1; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Das wilde Land (Götterkinder 1)
    2004: The Treasured One (The Dreamers 2; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Dämonenbrut (Götterkinder 2)
    2005: Crystal Gorge (The Dreamers 3; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Im Flammenmeer (Götterkinder 3)
    2006: The Younger Gods (The Dreamers 4; gemeinsam mit Leigh Eddings) – Der Verrat (Götterkinder 4)


Belletristik:

    1973: High Hunt
    1992: The Losers
    2000: Regina’s Song (gemeinsam mit Leigh Eddings)

Rezensionen:

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Stand: 07. Juli 2011