Autor: Bradbury@Ray

Cover von Das Böse kommt auf leisen Sohlen von Ray BradburyObwohl die beiden Jungen Jim Nightshade und Will Halloway völlig unterschiedlich sind, verbringen sie jede freie Minute miteinander und sind ein Herz und eine Seele. Das ändert sich, als eine Woche vor Halloween ein Jahrmarkt in die Stadt kommt. Der Roman spielt ungefähr in den dreißiger Jahren und so gibt es zwar ein Karussell, aber es handelt sich eher um eine Kuriositätenschau. Die Erwachsenen merken es nicht, doch den Jungen ist bald klar, daß mit den Jahrmarktleuten das Böse in die kleine Stadt Einzug gehalten hat. Trotzdem zieht es Jim immer wieder zu den Attraktionen des Jahrmarktes, während Will versucht, seinen Freund davon abzubringen. Bald wird die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt.

-Denn jene können nicht schlafen, wenn sie nicht übel getan, und sie ruhen nicht, wenn sie nicht Schaden getan. Sie nähren sich vom Brot des Frevels und trinken vom Wein der Gewalttat.-
Sprüche, 4: 16-17

Über sechzig Seiten plätschert die Geschichte so vor sich hin: Die Jungen genießen unbeschwert ihr Leben, man erfährt etwas über ihre Eltern und ab und zu philosophiert Bradbury über die Zeit, das Leben und die Menschheit. Alles ganz nett, aber nicht so, daß es den Leser vom Hocker reißen würde. Trotzdem horcht man schon von Zeit zu Zeit auf: Das Gewitter, das in der Luft liegt, dieser Blitzableiterverkäufer, und daß plötzlich überall diese Zettel herumfliegen, die den Jahrmarkt ankündigen -im Oktober, wenn die fahrenden Leute eigentlich nicht mehr durchs Land ziehen; normal ist das alles nicht. Und dann sind sie plötzlich da. Nachts um drei, bringt sie eine altertümliche Dampflok in die kleine Stadt, von niemandem bemerkt, außer von Jim und Will. Von diesem Zeitpunkt an wird die Geschichte von Seite zu Seite unheimlicher, bis sich das Geschehen in einem atemberaubend spannenden Finale entlädt.
Ray Bradbury erzählt allegorisch eine Geschichte über das Leben, über Trauer, über Zeit, über Freundschaft, über die Verbundenheit zwischen Vätern und Söhnen und natürlich über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der nicht hoffnungslos sein muß, weil das Böse nur siegen kann, wenn man sich ihm überläßt. Nur wenn man sich dem Bösen überläßt, dann kann auch das Böse den Sieg davon tragen. Und der Leser weiß bis zum Ende nicht, ob sich nicht irgend jemand in diesem Roman von dem Bösen korrumpieren lassen wird. Ich werde es hier ganz bestimmt nicht verraten. 🙂
Noch ein Hinweis für die Literaturfreunde unter den Lesern: Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Something Wicked This Way Comes) weist einige Parallelen zu Der Name der Rose auf, auch wenn beide Bücher völlig unterschiedliche Handlungen besitzen und zu völlig verschiedenen Zeiten spielen.
Ach ja, und falls sich jemand vom Diogenes Verlag auf diese Seite verirren sollte: Auf das Cover gehört natürlich nicht ein Briefe lesendes Mädchen, das von einer Katze beobachtet wird, sondern ein Bild, das etwas mit einem Jahrmarkt zu tun hat, zum Beispiel ein schönes altes Karussell mit Holzpferdchen.

Cover des Buches "Fahrenheit 451" von Ray BradburyGuy Montag ist Angehöriger des staatlichen Ordnungsdienstes. Seine Aufgabe ist es, versteckte Bücher und Schriften aufzustöbern und zu verbrennen, denn für den Staat, der über Bücher absolute Kontrolle ausüben will und keine Privatsphäre duldet, sind Bücher eine gefährliche Quelle subversiver Gedanken und aufrührerischer Ideen.
Bislang hat Guy Montag seinen Dienst pflichtgetreu getan, ohne sich viele Gedanken um sein Tun zu machen. Als er der schönen Clarisse begegnet, lernt er eine andere Welt kennen, eine Welt der Fantasie, der Sprache und des Gefühls, und er beginnt über die Trostlosigkeit der Wirklichkeit nachzudenken …

-Es war eine Lust, Feuer zu legen.
Es war eine eigene Lust, zu sehen, wie etwas verzehrt wurde, wie es schwarz und wie es zu etwas anderem wurde. –
1

Fahrenheit 451 ist eines der bekanntesten Bücher von Ray Bradbury und beschreibt in einem erschreckendem Szenario die Welt, wie sie einmal aussehen könnte: Bücher sind verboten, die Menschen sind nur noch leere Hüllen, die durch ihr Leben laufen ohne wirklich zu leben, der Staat kontrolliert alles und versucht die Bewohner durch permanente Überwachung und vorgetäuschtes Lebensglück zu unterdrücken.
Was zunächst wie eine Mischung aus Brave New World (Schöne neue Welt) und 1984 klingt (tatsächlich findet man einige ähnliche Ideen in den beiden großen Antiutopien), entwickelt sich rapide zu einer beklemmenden und apokalyptischen Vision, die mit einem großen Knall endet.

Einige kleine Schwierigkeiten gab es jedoch: Den Stil von Bradbury fand ich manchmal etwas holprig und schwer zu lesen. Wenn man sich gerade in die Welt eingefunden hat, passiert etwas, das die gewohnte Welt des Protagonisten zusammenbrechen lässt, oder das Buch ist zu Ende. Trotzdem verschlingt man diese 170 Seiten regelrecht, weil der Autor durch immer neue Ideen einen Spannungsbogen über das ganze Buch halten kann.

Das wirklich Unheimliche ist aber, dass man heute die Entwicklungen, die dem Szenario zugrunde liegen, schon sehen kann: den Siegeszug des Fernsehens z.B. hat Bradbury schon in den 50er Jahren vorhergesehen. Dass wir vielleicht auf genau die Zukunft zusteuern, vor der Bradbury warnt, ist durchaus möglich. Daran erkennt man wirklich gute Literatur.

Gott sei Dank kann man das Buch zuklappen, ein schales Gefühl aber bleibt.